Im
Krieg der Worte um den Irak-Konflikt hat das britische Boulevardblatt
"Sun" den Ton verschärft: In einer Sonderausgabe auf Französisch
wird Frankreichs Präsident Jacques Chirac als Wurm bezeichnet.
"Chirac est un ver" (Chirac ist ein Wurm) lautete die
Schlagzeile einer gratis in Paris verteilten Ausgabe der Zeitung. Darunter
druckte das Blatt die Fotomontage eines Wurms mit dem Kopf Chiracs, der
aus einer Frankreich-Karte kriecht.
Sun: Chirac eine Schande für Europa
"Wir denken, dass euer Präsident, Jacques Chirac, eine Schande für
Europa ist, weil er beständig mit einem Veto gegen militärische Aktionen
zur Durchsetzung des Willens der Vereinten Nationen gegen den Irak
droht", heißt es auf der Titelseite des Blattes weiter. Der französische
Präsident ist gegen die Pläne von US-Präsident George W. Bush und Großbritanniens
Premierminister Tony Blair, jetzt einen Krieg gegen Irak zu führen.
"Es ist ekelhaft"
"Beleidigungen sagen oft mehr über die Menschen, die sie machen, als
über die, die sie zu beschreiben versuchen", sagte Chiracs
Sprecherin zu dem Artikel. "Es ist ekelhaft", sagte
Transportminister Gilles de Robien. Mehrere tausend "Sun"-Sonderblätter,
die bis auf die Titelseite mit der britischen Ausgabe identisch waren,
sind nach Angaben einer Sprecherin der Zeitung verteilt worden: "Wir
verteilen sie an Orten wie etwa der Champs Elysee. Wir haben
unterschiedliche Reaktionen bekommen."
Franzosen sind empört
Auf den Straßen von Paris waren die Reaktionen denen der Politiker ähnlich:
"Die Presse sollte frei sein, aber dies ist wirklich skandalös. Es
ist Propaganda für einen Krieg", sagte der 30-jährige Kellner Bruno
Sterne. "Es ist wirklich traurig, aber es wundert mich nicht, dass so
etwas von der 'Sun' kommt", sagte der 26-jährige Laurence Baroini.
"Ich bin stolz auf den Präsidenten und seine Regierung. Die Briten
sollten sich dagegen für Blair schämen, der ein Opportunist ist und
nicht ganz die Ideale seiner Partei vertritt", sagte er.
Murdoch-Kampagne für Bush und Blair
Bereits vergangene Woche hatte die Boulevardzeitung "New York
Post", die wie die "Sun" dem Medien-Tycoon Rupert Murdoch
gehört, mit ihrer anti-französischen Berichterstattung für Wirbel in
dem Land gesorgt. Ebenso wie die New Yorker Zeitung erinnerte die
"Sun" jetzt an die Unterstützung Frankreichs durch britische
und US-Soldaten in zwei Weltkriegen: "Wenn Saddam Hussein weg ist,
werden die Menschen in Großbritannien und dem Rest Europas auf Frankreich
schauen und sich fragen, ob Frankreich noch ein Verbündeter ist."