aus: Financial
Times Deutschland, 19.04.2007, S. 21
"Ölreserven im Irak sind größer als gedacht
Der Irak kann seine Ölförderung in den nächsten fünf Jahren
auf vier Millionen Barrel (ein Barrel entspricht 159 Litern)
pro Tag verdoppeln. Zu diesem Schluss kommt die Beratungs-
Gesellschaft IHS in der umfassendsten Untersuchung seit dem
Einmarsch der US-Truppen im Jahr 2003. IHS hält es für
möglich, dass die derzeit nachgewiesenen Reserven von
116 Milliarden Barrel um weitere 100 Milliarden nach oben
korrigiert werden könnten. Die Explorationskosten (1)
betragen laut IHS 2 Dollar pro Barrel. Derzeit liegt der
Irak in der Ölförderung unter seinen Möglichkeiten. Von
den 78 Feldern sind momentan nur 27 aktiv."
(1) Anmerkung Martin Zeis: In einer im Dezember 2002 erschienenen
Studie des Global Challenges Network "Ölwechsel -Das Ende des
Erdölzeitalters ..." war von noch niedrigeren FÖRDERKOSTEN
pro Barrel die Rede, sodass ich annehme, der Begriff
Explorationskosten ist ungenau/irrig. Ich halte deshalb
auch die Renditeangaben in der Wiler Zeitung für zu
niedrig (s. folgenden Artikel).
aus: Wiler
Zeitung vom 4. April 2007
"Ein US-Kriegsziel fast erreicht -
Neues Ölgesetz in Irak – Kontrolle der Mehrheit
der Ölreserven für US-Firmen
Die USA scheinen in Irak mit jedem Tag mehr in Bedrängnis
zu kommen. Doch von einem wichtigen Kriegsziel sind sie nur
noch eine Abstimmung im irakischen Parlament entfernt:
Von der Kontrolle über Iraks Öl.
Robert James Parsons/Genf
Das irakische Parlament hat ein Problem: Die meisten seiner Mitglieder leben
inzwischen ausser Landes. Damit fehlt die Mindestanzahl von Abgeordneten für
eine gültige Abstimmung. Doch auf der Agenda steht ein Gesetzesentwurf,
dessen Annahme faktisch darüber entscheidet, wer den Irak-Krieg gewonnen hat.
Die Vorlage entscheidet darüber, wer künftig die irakische Ölindustrie
kontrolliert.
Kontrolle von zwei Dritteln
Das Gesetz über die irakische Ölindustrie würde die Kontrolle über die
Ölreserven faktisch an die internationalen – in der Praxis: an die
amerikanischen – Ölmultis abgeben. Es sieht vor, dass die Ölfirmen während
30 Jahren 70 Prozent ihrer Produktion für sich behalten können. Weitere 20
Prozent sollen dauerhaft von jeder Art der Besteuerung befreit werden. Zum
Vergleich: Übliche Abkommen zwischen Regierungen und Ölfirmen über eine
Teilung der Produktion überlassen den Produzenten nur 20 Prozent der Förderung.
Die Nachbarn Iraks, die US-Verbündeten Saudi-Arabien und Kuwait ebenso wie
Iran, billigen den internationalen Multis überhaupt keinen Anteil an der
Produktion zu: Sie haben die Ölindustrie nationalisiert.
Das neue irakische Ölgesetz klammert zwar die bereits produzierenden
Ölfelder aus. Doch derzeit produzieren nur 17 der 80 bekannten Felder, und
die fördern nur 40 Milliarden der 115 Milliarden Fass bekannten Reserven.
Deshalb könnten die US-Ölfirmen faktisch die Kontrolle über 64 Prozent der
bekannten Reserven Iraks übernehmen. Doch Experten rechnen mit mindestens 100
Milliarden Fass zusätzlichen Öls, die sich ebenfalls im irakischen Boden
befinden dürften. Damit erhöhte sich die Fremdkontrolle auf über 80 Prozent
der Reserven.
Traumhafte Renditen
Die US-Ölmultis könnten dank dieser für Irak nachteiligen Aufteilung
der Produktion mit einer Rendite von 42 bis 162 Prozent rechnen. Der
Durchschnitt der Ölindustrie beträgt nur 12 Prozent. Umgekehrt verlöre Irak
den Grossteil seiner Öleinnahmen. Bei einem Ölpreis von 40 Dollar pro Fass wären
dies je nach Produktionsmenge zwischen 74 und 194 Milliarden Dollar verlorene
Einnahmen.
Auch die Kontrolle über die Vergabe der Förderrechte übten zumindest
teilweise die US-Ölmultis aus: Sie schickten Vertreter in den Irakischen Öl-und
Gasrat. Dieser entscheidet, wem die Förderrechte erteilt werden, und zu
welchen Bedingungen. Dieser Rat hat das Recht, Verträge aufzuheben, welche
die Regionalregierungen in Irak schliessen.
In Washington geschrieben
Das neue irakische Ölgesetz wurde in Washington entworfen. Die US-Regierung
hatte die Beratungsfirma BearingPoint damit beauftragt. Iraks Regierung
stimmte dann dem Entwurf am 18. Januar zu. Das Parlament erfuhr vom Entwurf
erst, als eine arabische Übersetzung des englischen Originals im Januar auf
einer Internetseite erschien.
Die USA haben nie verhehlt, dass sie die Kontrolle über Iraks Öl anstreben.
Die Gruppe Öl und Energie des Aussenministeriums erklärte schon im Frühling
2003, dass Irak nach Kriegsende für internationale, also US-Ölfirmen, geöffnet
werden solle. Auch die «Iraq Study Group» von Ex-Aussenminister James Baker
empfahl im vergangenen Dezember, die USA sollten ausländische Investitionen
in den Ölsektor fördern. Während Präsident Bush andere Empfehlungen der
Baker-Kommission ablehnte, nahm sie diese Empfehlung an. Es dürfte kein
wirkliches Problem sein, im irakischen Parlament die nötige Mehrheit zu
sichern: Die USA müssen nur ein paar willige Abgeordnete einfliegen."
aus: Wiler Zeitung, Mittwoch, 4. April 2007
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Wirtschafts-Sieg
der USA im Irak
US-Firmen bekommen Kontrolle über Iraks Ölreserven
Von Wiener Zeitung-Korrespondent Robert James Parsons

Bagdad votiert über Öl-Gesetz.

Bis zu 162 Prozent Rendite für Multis.
Genf/Bagdad. Die USA scheinen im Irak mit jedem Tag mehr in Bedrängnis
zu kommen. Doch eines ihrer wichtigsten Kriegsziele haben sie de facto
erreicht: Die Kontrolle über das irakische Öl. Dazu braucht es nur noch
eine Abstimmung im irakischen Parlament. Noch hat es nicht abgestimmt. Die
meisten seiner Mitglieder leben inzwischen außer Landes. Damit fehlt die
Mindestanzahl von Abgeordneten für eine gültige Abstimmung. Doch auf ihrem
Pult in Bagdad liegt ein Gesetzentwurf, dessen Annahme darüber entscheidet,
wer den Irakkrieg gewonnen hat. Er entscheidet darüber, wer künftig die
irakische Ölindustrie kontrolliert.
Kontrolle über zwei
Drittel der Reserven
Das Gesetz über die irakische Ölindustrie gibt die Kontrolle über die
Ölreserven faktisch an die internationalen – in der Praxis: an die
amerikanischen – Ölmultis ab. Es sieht vor, dass die Ölfirmen während
30 Jahren 70 Prozent ihrer Produktion für sich behalten können. Weitere 20
Prozent sollen dauerhaft von jeder Art der Besteuerung befreit werden. Zum
Vergleich: Normale Abkommen zwischen Regierungen und Ölfirmen über eine
Teilung der Produktion billigen den Produzenten nur 20 Prozent der Förderung
zu. Die Nachbarn des Irak, die US-Verbündeten Saudi-Arabien und Kuwait
ebenso wie der Iran, billigen den internationalen Multis überhaupt keinen
Anteil an der Produktion zu: Sie haben die Ölindustrie nationalisiert.
Das neue irakische Ölgesetz klammert zwar die bereits produzierenden Ölfelder
aus. Doch dies betrifft nur 17 der 80 bekannten Felder, und nur 40
Milliarden der 115 Milliarden Fass bekannter Ölreserven. Damit würden die
US-Ölfirmen faktisch die Kontrolle über 64 Prozent der bekannten Reserven
übernehmen. Doch Experten rechnen mit mindestens 100 Milliarden Fass Öl,
die sich ebenfalls im irakischen Boden befinden dürften. Damit erhöhte
sich die US-Kontrolle auf über 80 Prozent der Reserven.
Die US-Ölmultis können dank dieser Aufteilung mit einer Rendite von 42
bis 162 Prozent rechnen. Der Durchschnitt der Ölindustrie beträgt nur 12
Prozent. Umgekehrt verliert der Irak den Großteil seiner Öleinnahmen. Bei
einem Ölpreis von 40 Dollar pro Fass wären dies je nach Produktionsmenge
zwischen 74 und 194 Milliarden Dollar an verlorenen Einnahmen.
Auch die Kontrolle über die Vergabe der Ölförderrechte wird zumindest
teilweise durch die US-Ölmultis ausgeübt: Sie entsenden Vertreter in den
Irakischen Öl- und Gasrat. Dieser entscheidet, wem die Förderrechte
erteilt werden, und zu welchen Bedingungen. Dieser Rat hat auch das Recht,
Verträge aufzuheben, die durch die Regionalregierungen im Irak ausgehandelt
werden.
Gesetz in Washington geschrieben
Es überrascht nicht, dass das neue irakische Ölgesetz so vorteilhaft für
die US-Multis ist: Es wurde in Washington entworfen. Die US-Regierung hatte
damit die Beratungsfirma BearingPoint beauftragt.
Es dürfte für die USA auch kein Problem sein, dem irakischen Parlament
die nötige Mindestzahl von Abgeordneten zu verschaffen: Sie müssen nur mit
Militärmaschinen ein paar zustimmungswillige Abgeordnete einfliegen. Dann hätten
die USA den Krieg trotz aller Verluste doch noch gewonnen.
Dienstag, 03. April 2007