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3.2.3 Militärische
Weiterentwicklungen
Schon bevor der Ottawa-Prozess eingeleitet wurde, wurde befürchtet, dass der
Vertrag eine technologische Weiterentwicklung nicht verbotener Minensysteme mit
sich bringen würde - vor allem in den industriell höher entwickelten Staaten.
Kritiker munkelten sogar, die Industriestaaten würden hinter dem scheinbar
humanitären Motiv wirtschaftliche Interessen verstecken und sich auf dem
internationalen Waffenmarkt gegenüber "Dritte-Welt-Ländern"
Wettbewerbsvorteile verschaffen, da diese die verbotenen, "einfachen"
Minen nicht weiter produzieren und verkaufen dürfen, während die
Industriestaaten weiter im Geschäft bleiben, da sie ohnehin hautsächlich
moderne High-Tech-Minen produzieren. Diese sind aufgrund der integrierten
Fernverlegungs-, Selbstzerstörungs- und (Opfer-)Selektionsmechanismen nicht
verboten und werden nicht mehr "Mine" genannt werden, sondern als
"Submunition" bezeichnet werden.
Als Beispiel dienen hierzu die direktionalen, also zielgerichteten
Splitterminen, der Gattung Claymore (vgl. Anhang 4). Sie verfügen über
Techniken, die es ihnen möglich machen, ihre Opfer anzupeilen und ihre Ladung
von bis zu 1 500 Stahlsplittern auf dieses Ziel abzufeuern. Viele Minen dieses
Typs sind per Stolperdraht aktivierbar wie auch manuell durch eine
Kabelverbindung (z.B. von einem Soldaten) fernzündbar. Deshalb ist ihr
Verbotsstatus ebenfalls umstritten. Hersteller deklarieren sie nun als
"rein fernzündbare Richtsplitterladungen", die nicht durch die
Ottawa-Konvention verboten sind. Es ist jedoch sehr einfach, die Mine vom Kabel-
auf den Stolperdrahtmechanismus umzustellen.
Es werden immer mehr Systeme entwickelt, die der Funktion von AP-Minen gleichen.
Sie sind zwar angeblich darauf ausgerichtet, nicht zu töten, stehen zum Teil
aber ebenfalls nicht in Einklang mit der Ottawa-Konvention. Die USA hat z.B.
eine neue, nicht-tödliche Modifikation von Claymore-Minen, die MCCM
("Modular Crowd Control Munition") in ihrem Waffenprogramm, welche die
Personen im Umkreis von 5-15 m mit stechenden Gummigeschossen zeitweilig außer
Gefecht setzt.
Das "Mikrokapsel-Programm", an dem die amerikanischen
Wissenschaftler derzeit forschen, ist ein opferaktivierbares System, das beim
Betreten der Kapseln mit Beruhigungsmitteln oder Reizchemikalien angereicherte
Schäume freisetzt, die zu einer zeitweiligen Desorientierung des Opfers führen.
Auch an der Forschung für die Bestückung der Mikro-Kapseln mit biologischen
Waffenwirkstoffen wird gearbeitet. Durch den gezielten Einsatz von Bluteiweißen,
Viren und Giftstoffen wollen die Wissenschaftler rassenspezifische,
"gegen Material und Menschen gerichtete, nicht-tödliche Waffen zur
Gebietsverweigerung und zum Stoppen von Schiffen und Fahrzeugen" entwickeln
- das Genom-Projekt und Human Diversity machen es möglich. Um Personen
den Zugang zu bestimmten Gebieten zu verweigern, können nun Funkfrequenz- oder
Energierichtwaffen wie z.B. Mikrowellenwaffen dienen. Dringen deren Wellen
in die äußeren Körperschichten ein, wird der Körper der Person als
"Strafreaktion" stark erhitzt. Dringen die Wellen auch in die inneren
Schichten ein, können sie die Person bis auf 100° C erhitzen und somit tödlich
wirken. Zur Zeit forschen 20 amerikanische Firmen an akustischen Waffen, die ähnliche
wie die vorherigen wirken sollen.
Tasertron und Primex Aerospace, zwei US-Firmen testen momentan den "Taser
Area Denial Device", eine elektrische Waffe, die nach Auslösung durch
einen Stolperdraht oder durch zahlreiche andere Sensoren 50 000 Volt auf das
Ziel ableiten. Selbstständig Ziele erkennen und selektive Angriffe mit nicht tödlicher
Munition ausführen, das sollen in Zukunft Robotersysteme können. Auch daran
arbeiten derzeit viele amerikanische Firmen.
Ob diese Waffen menschlich gesehen besser sind, ist fraglich.
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