Rumsfeld: Irakische Führung verliert Kontrolle
Das US-Verteidigungsministerium hat sich derweil optimistisch über den Verlauf
des Krieges geäußert. Das irakische Regime beginne, die Kontrolle über das
Land zu verlieren, sagte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Die Konfusion
der irakischen Militärs werde größer, da sie immer weniger erkennen könnten,
was an den Fronten geschehe. "Es verläuft alles nach Plan und wir
marschieren auf Bagdad zu", sagte der Minister. Nach einem Bericht der
"New York Times" haben sich der Kommandeur der 51. irakischen Division
und sein Stellvertreter im Südirak ergeben.
Bombardement auch im Norden
Auch auf die irakischen Öl-Städte Mosul und Kirkuk im Norden des Landes, sowie
Basra und Nassirijah im Süden fielen Bomben. Die USA setzten dabei offenbar
erstmals die schweren B-52-Bomber ein. Während aus Mosul Augenzeugen von
Luftabwehrfeuer berichten, steigt über Kirkuk Rauch auf. Bisher wurden
lediglich zwei Verletzte gemeldet. Eine Rakete schlug nach Angaben iranischer
Regierungskreise auch in ein Lager einer iranischen Ölraffinerie an der Grenze
zum Irak ein.
"Schock- und Einschüchterung"
"Der Luftkrieg im Irak hat begonnen (...) Es wird
keine sicheren Plätze mehr geben im Irak", erklärte
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Abend in Washington. Berichten
zufolge soll das Bombardement 48 Stunden lang andauern. Washington hat damit die
angekündigte "Schock- und Einschüchterungsphase" ("shock
and awe") eingeleitet, mit der das irakische Militär zur Aufgabe
gezwungen werden soll. In den folgenden Stunden würden mehrere hundert militärische
Ziele angegriffen, sagte US-Generalstabschef Richard Myers. Dabei könnten bis
zu 3000 satellitengesteuerte Bomben aus der Luft und Marschflugkörper von See
abgefeuert werden, hieß es in Washington. Zum Vergleich: Während der ersten
Welle der Angriffe wurden laut Militärangaben 320 Raketen auf Bagdad und
Umgebung abgefeuert.
Bodentruppen rücken vor
Bei ihrer Bodenoffensive sollen amerikanische und britische Truppen rund 200
Kilometer tief in irakisches Gebiet vorgedrungen sein. Nach Aussagen Rumsfelds
nahmen die Verbände die Hafenstadt Umm Kasr in Südirak ein. Britische Truppen
rückten zur Hafenstadt Basra vor. Das Militär besetzte zudem wichtige Anlagen
der Ölindustrie des Landes. Ein Sprecher der britischen Truppen in Katar sagte,
die Soldaten könnten in drei bis vier Tagen die irakische Hauptstadt Bagdad
erreichen. Reporter berichteten von teils heftigem Widerstand irakischer
Streitkräfte.
Widerstand der Iraker
Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte, es gebe bislang keine
Hinweise darauf, dass der Widerstand der irakischen Streitkräfte in sich
zusammenfalle. Etwa 250 irakische Soldaten seien gefangen genommen worden. Hoon
bestätigte, dass die Ölanlagen in intaktem Zustand gesichert wurden. Der
britische Premierminister Tony Blair sagte in Brüssel: "Die Militäroperation
scheint gut zu verlaufen." Allerdings müsse mit weiterem Widerstand
gerechnet werden. "Wir werden unsere Ziele nicht über Nacht
erreichen", erklärte Blair.
Irak setzt Kopfgeld für getötete Soldaten aus
Nach amerikanischen Angaben wurde ein Marine-Infanterist im Kampf getötet. Der
Soldat soll nach Informationen des Fernsehsenders MSNBC einer Einheit angehört
haben, die auf dem Vormarsch zum Rumeila-Ölfeld nördlich der kuwaitischen
Grenze war. Die irakische Führung setzte nach einer Meldung der amtlichen
Bagdader Nachrichtenagentur INA eine Belohnung für jeden getöteten und
gefangen genommenen alliierten Soldaten aus