Ankara will "terroristischen Aktivitäten"
vorbeugen
Der türkische Außenminister Abdullah Gül sagte, die Truppen seien entsandt
worden, damit irakische Flüchtlinge schon vor der türkische Grenze abgefangen
werden können. Ankara geht es seinen Angaben offenbar darum zu verhindern, dass
Rebellen der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK ihren bewaffneten Kampf
gegen die Türkei wieder aufzunehmen.
Türkei gegen Kurdenstaat
Die Regierung in Ankara fürchtet um das eigene Territorium, falls nach dem
Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein über einen eigenständigen
Kurdenstaat verhandelt wird. Dieser Staat könnte neben Teilen des Irak auch die
kurdischen Regionen der Türkei umfassen.
Kurden wollen gegen türkische Truppen kämpfen
Die Türkei hat bereits mehrere tausend Soldaten im Norden des Irak stationiert.
Die dort lebenden Kurden lehnen die Anwesenheit des türkischen Militärs ab.
Sie haben angekündigt, gegen die türkischen Truppen zu kämpfen, wenn diese in
ihre selbstverwaltete Region vorrücken sollten. Nach der Errichtung der
Flugverbotszonen im Süden und Norden Iraks durch die USA und Großbritannien
nach dem Golf-Krieg 1991 haben die im Norden lebenden Kurden eine
Selbstverwaltung eingerichtet.
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Erdogan: USA stimmen Einmarsch im Nordirak zu (t-news 23.3.03)
Keine dauerhafte Besetzung
Die türkischen Streitkräfte wollten den Nordirak aber nicht dauerhaft
besetzen, sondern entlang der 330 Kilometer langen Grenze höchstens 19
Kilometer weit auf irakisches Gebiet vordringen. Am Samstag hatte Ankara
Berichte dementiert, wonach bereits rund tausend Soldaten in den Irak
einmarschiert seien.
Türkei fürchtet Kurden-Rebellion
Ankara fürchtet, dass die Kurden im Norden des Irak nach dem Krieg einen
eigenen Staat ausrufen und damit unter den Kurden in der Türkei eine Rebellion
auslösen könnten. "Die schmerzlichen Erfahrungen des Golfkrieges (von
1991) mit Flüchtlingsströmen und dem Einsickern von Terroristen wollen wir
nicht noch einmal erleben", sagte Außenminister Gül. Washington will
jedoch neue Kämpfe bei einem türkischen Einmarsch in den Irak vermeiden.
Sollte die Türkei Kriegspartei werden, will die Bundesregierung die deutschen
Soldaten aus den AWACS-Überwachungsflugzeugen in der Region abziehen.
US-Kriegsschiffe verlassen türkisches Hoheitsgebiet
Währenddessen sind die amerikanischen Kriegsschiffe nach wochenlangem Warten
vor der türkischen Küste in den Golf beordert worden. Das Pentagon gab damit
endgültig seine Pläne auf, schwer bewaffnete Truppen durch die Türkei in den
Nordirak zu entsenden. Das verlautete aus dem US-Verteidigungsministerium.
40 Schiffe umdirigiert
Rund 40 Schiffe mit Militärgerät für die 4. Infanterie-Division sollen Kurs
auf den Suezkanal nehmen, sagte ein Regierungsbeamter. Die letzten Schiffe
sollen am 10. April in Kuwait eintreffen. Die Division, die in Ford Hox in Texas
auf ihre Stationierung in der Türkei wartete, werde vermutlich nach Kuwait
geschickt, hieß es weiter. Es war zunächst nicht klar, ob die gesamte Division
mit 17.500 Soldaten Marschbefehl erhalten würde.
Parlament spricht Erdogan Vertrauen aus
Das türkische Parlament indes sprach der Regierung Erdogan das Vertrauen aus.
350 Abgeordnete votierten für das Kabinett, 162 stimmten dagegen. Am Donnerstag
hatten die Abgeordneten eine Vorlage der Regierung zur Gewährung von Überflugrechten
für die US-Armee gebilligt, die diese für ihre Angriffe auf den Irak gefordert
hatte. Anfang des Monats hatte die Regierung eine überraschende Niederlage
erlitten, als das Parlament in einer ersten Abstimmung den von den USA gewünschten
Truppenaufmarsch in der Türkei zur Vorbereitung des Kriegs ablehnte.