Nach Informationen des US-Nachrichtensenders CNN
haben das Pentagon und andere US-Einrichtungen bereits
mit dem Versenden der Massen-Emails begonnen. Ein
US-Militär: „Dies ist erst der Anfang einer
psychologischen Kriegsführungs-Kampagne“. Ziel der
E-Mails: Ranghohe irakische Militärs und
Saddam-Vertraute. Sie sollen noch vor einem möglichen
Krieg aufgeben und überlaufen.
Militär-Experten sagen: Zum ersten Mal in der
Geschichte werden E-Mails als Mittel der psychologischen
Kriegsführung eingesetzt.
Die Texte der Emails sind speziell auf die Empfänger
in Saddams Reich ausgerichtet, Hauptziel sind Angehörige
der Armee. Die US-Strategen appellieren an ihre
Soldaten-Ehre, fordern sie auf, zu desertieren oder dem
Diktator den Gehorsam zu verweigern. In einer Email
steht: „ Seit Menschengedenken gab es keinen Beruf,
der ehrbarer gewesen ist, als der des Soldaten. Soldaten
werden mit Auszeichnungen und Orden dekoriert, die ihre
Leistungen zeigen und ihre Fähigkeiten mitteilen. Die
Uniform eines Soldaten verlangt Respekt und Treue.
Saddam hat dieses Erbe in den Schmutz gezogen... Saddam
will nicht, dass die Soldaten des Irak die Ehre und Würde
besitzen, die ihr Beruf verlangt. Saddam versucht, diese
tapferen Männer auszubeuten.“
Neben E-Mails setzt die US-Regierung auch auf
klassische Mittel der psychologischen Kriegsführung:
Seit Wochen werden Flugblätter über dem Irak
abgeworfen, seit Mitte Dezember sendet die „4th
Psychological Operations Group“ aus einem Flugzeug über
dem Irak ein Anti-Saddam-Radioprogramm. Schon in
Afghanistan war man damit erfolgreich: Taliban-Kämpfer
wurden vor der militärischen Überlegenheit der
US-Truppen gewarnt, hohe Belohnungen wurden für
Hinweise auf Terroristen-Verstecke ausgesetzt.
Unterdessen geht der Militäraufmarsch am
Persischen Golf weiter.
Die US-Regierung hat jetzt weiteren 27 000 Soldaten
den Marschbefehl erteilt, spätestens Mitte Februar wird
die Steitmacht insgesamt 150 000 Mann stark sein. Auch
Großbritannien schickt immer mehr Soldaten in Richtung
Irak. Der Flugzeugträger „HMS Ark Royal“ führt den
größten britischen Flottenverband seit dem
Falkland-Krieg vor 20 Jahren an.
Erstmals wurden auch US-Truppen aus Deutschland an
den Golf verlegt: 200 Soldaten der Kampfflugeinheit
Spangdahlem (Eifel). Sie sollen vor Ort die gefürchteten
F-16-Jets warten. Und die Bundesregierung will schon
bald die versprochenen 64 Flugabwehrraketen vom Typ
„Patriot“ nach Israel schicken. Sie sollen die Bevölkerung
vor möglichen Angriffen durch irakische Scud-Raketen
schützen. (shi)
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