junge Welt vom 20.01.2005
 
Interview

»Die Trilaterale Kommission entscheidet alles«

»Weltregierung im Wartestand« legt die Richtlinien der Politik fest. Ihr Ziel: »Global Governance« – Weltherrschaft ohne Regierungen. Ein Gespräch mit Smilja Avramov

Interview: Jürgen Elsässer
 
* Smilja Avramov ist Professorin für Internationales Recht in Belgrad

 

F: Sie sind vermutlich die renommierteste Völkerrechtlerin in Serbien und wurden von Slobodan Milosevic als Zeugin seiner Verteidigung aufgerufen. Sie schreiben auch Bücher über die Trilaterale Kommission und die Bilderberg-Gruppe – Themen, die in Deutschland eher Außenseiter beschäftigen. Wie paßt das alles zusammen?

 

Viele Leute wissen nicht, wie die Neue Weltordnung tatsächlich funktioniert. Um bei dem Thema zu bleiben, zu dem ich auch im Haager Prozeß ausgesagt habe, die Zerschlagung Jugoslawiens: Die letzte Entscheidung ist in der Bilderberg-Gruppe gefallen. Lord Carrington, der für die Europäische Gemeinschaft 1991/92 als Balkanbeauftragter aktiv war, war damals deren Präsident.

 

F: Was ist die Bilderberg-Gruppe?

 

Vielleicht müssen wir mit der Trilateralen Kommission beginnen. Sie wurde 1973 gegründet und ist nichts anderes als eine Weltregierung im Wartestand. Auf ihren Tagungen werden die jeweils aktuellen globalen Probleme verhandelt und dazu entsprechende Beschlüsse gefaßt, also etwa 1991 zur Zerschlagung Jugoslawiens. Alle 51 Protokolle der Tagungen der Trilateralen Kommission konnte ich mir besorgen und für mein Buch »Trilateralna Komisija« auswerten. Die Bilderberg-Gruppe wiederum ist eine zweite Gesellschaft, die aber weitgehend dieselben Mitglieder hat. Ihre Gründung wurde vom Vatikan angeregt.

 

F: »Weltregierung im Wartestand« – das klingt für mich etwas überzogen. Die maßgeblichen Entscheidungsinstanzen sind doch eher der IWF, die Weltbank oder die G8 – oder?

 

Dort fallen die Entscheidungen pro forma, aber alles muß doch vordiskutiert werden. Und dafür gibt es die Trilaterale Kommission. Zum Beispiel war beim letzten europäischen Treffen der Kommission im Herbst 2004 in Berlin das Verhältnis zu Rußland ein großes Thema. Schauen Sie sich die Mitglieder des Präsidiums an – ich habe hier den Stand von 1997 –, unter den zehn Mitgliedern des Präsidiums sind die besten Adressen aus der Welt des Kapitals: der Multimilliardär David Rockefeller, der ehemalige US-Zentralbankchef Paul A. Volcker, der ehemalige BRD-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, drei wichtige japanische Wirtschaftsführer. Unter den 250 Mitgliedern werden Sie weitere bekannte Namen finden: Zbigniew Brzezinski, Richard Holbrooke, Henry A. Kissinger, Paul D. Wolfowitz, Josef Ackermann, Kurt Biedenkopf, Horst Köhler ...

 

F: Die Trilaterale Kommission gibt es schon über 30 Jahre, aber offen wird über weltweite Steuerungsmechanismen erst seit einigen Jahren diskutiert, Stichwort Global Governance. In welchem Verhältnis steht das zueinander?

 

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wandten sich maßgebliche US-Kreise von der Trilateralen Kommission ab, da sie nun den Kurs auf Alleinherrschaft einschlugen. Eine Auswirkung dessen ist etwa das Haager Tribunal, das weitgehend von den USA beherrscht wird. Das wurde formal vom UN-Sicherheitsrat installiert, aber der hatte gar keine Befugnisse dazu, wie ich bei den vorhergehenden Beratungen der UN als Vertreterin Jugoslawiens auch gesagt habe. Übrigens haben US-Rechtsprofessoren, die nach 1945 für das Nürnberger Kriegsverbrechertribunal gearbeitet haben, dieselbe Meinung vertreten. Im Unterschied zum Haager Tribunal ist der gleichfalls in Den Haag etablierte Internationale Strafgerichtshof (ICC) eine Institution, die völkerrechtlich korrekt zustande gekommen ist, nämlich durch einen von Staaten ratifizierten Vertrag. Bezeichnenderweise wird der ICC von den USA boykottiert. Sie wollen, daß Serbien seine Bürger an das »Tribunal« überstellt, aber sie selbst sind nicht dazu bereit, ihre Bürger der Jurisdiktion des ICC zu übergeben.

 

Global Governance bedeutet übrigens für die Trilaterale Kommission »Governance without Governments«, also Weltherrschaft ohne Regierungen. So betreibt man weltweit die Zerstörung von Staatsfunktionen und schafft über sogenannte Nichtregierungsorganisationen Instrumente, um an den bestehenden Regierungen vorbei die Geschicke der Völker zu lenken.

 

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Ausdruck erstellt am 30.01.2005 um 16:44:13 Uhr