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Rede
der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel auf
der 42. Münchner "Sicherheitskonferenz" (Auszüge) (..) Für uns in Deutschland sind
die europäische Einigung auf der einen Seite und die transatlantische
Partnerschaft auf der anderen die Pfeiler unserer Außen- und
Sicherheitspolitik. Ich sage ausdrücklich: Das wiedervereinte Deutschland ist
bereit, in diesem Rahmen Verantwortung zu übernehmen und auch vermehrt
Verantwortung zu übernehmen, und zwar über das eigentliche Bündnisgebiet
hinaus, zur Sicherung von Freiheit, Demokratie, Stabilität und Frieden in der
Welt. (::) Wie soll die NATO der Zukunft
arbeiten? Ich glaube, auch heute ist die NATO die Klammer der transatlantischen
Interessenvertretung und des transatlantischen Werteverbundes. Aber wenn sie das
in der Zukunft auch bleiben soll - ich denke einmal zehn, zwanzig Jahr voraus -,
dann, glaube ich, müssen wir ganz offen darüber diskutieren, was die NATO
leisten muss. Aus meiner Sicht muss sie ein Gremium sein, in dem eine permanente
gemeinsame Analyse der Bedrohung durchgeführt und besprochen wird. Sie muss der
Ort sein, an dem politische Konsultationen über neue Konfliktherde, die auf der
Welt entstehen, geführt werden, und sie sollte nach meiner Auffassung der Ort
sein, an dem politische und militärische Aktionen koordiniert werden. (..) Wir wollen ja, dass auch
weitere Staaten Mitglieder der NATO werden können. Das heißt, Länder wie
Kroatien, Mazedonien und Albanien können sich berechtigte Hoffnungen darauf
machen, Mitglieder der NATO zu werden. Das stellt dann aber wieder neue
Herausforderungen dar, und deshalb würde ich eine solche Diskussion für das
Jahr 2008 vorschlagen. (..) Meine Damen und Herren, ich
komme drittens zur europäischen Integration und transatlantischen
Partnerschaft. Ich möchte unseren amerikanischen Freunden sagen, dass sie dies
nicht skeptisch anschauen sollten, sondern als Chance begreifen sollten. Ich
glaube, dass die Europäische Union, je einiger sie agiert, auch die NATO zu
einem effizienteren Gremium machen kann. Wir haben die Europäische Union in den
letzten Jahren - Deutschland und Frankreich haben hierbei große Beiträge
geleistet - mit einer Sicherheitsstrategie ausgestattet. Wir sind dabei, auch
eine gemeinsame europäische Rüstungsindustrie aufzubauen. (..) Meine Damen und Herren, die
Bedeutung der Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und der NATO wächst.
Die Europäische Sicherheitsstrategie, das Strategische Konzept der NATO und die
National Security Strategy der Vereinigten Staaten von Amerika bilden eine
geeignete Grundlage für einen vertieften Dialog über die weitere Gestaltung
unserer gemeinsamen Sicherheitsagenda. Wenn man das einmal durchgeht, dann sieht
man, dass das Maß an Übereinstimmung erstaunlich ist. Ich will jetzt einmal
nicht weiter über die Unterschiede zwischen den Worten "preemptive"
und "preventive" philosophieren, aber es ist hochinteressant, dass
sich die Dinge doch in eine gemeinsame Richtung entwickeln. (..) Deshalb ist es ganz wichtig,
dass die NATO ein dichtes Netzwerk von Partnerschaften mit Ländern und
internationalen Organisationen mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten und
Zielrichtungen aufbaut. Die Diversifizierung, die Breite der Konflikte und
Kooperationen, ist ja überhaupt das Kennzeichen des 21. Jahrhunderts. (..) Wir müssen im Mittelmeer-Dialog und in der
Istanbul-Kooperationsinitiative noch mehr machen. Wir müssen unsere
Kooperationen und Konsultationen mit Partnerländern wie Australien, Neuseeland
und Japan forcieren. Das heißt also, es ist eine Vielzahl von politischen
Aktivitäten notwendig, die dann auch zu militärischer Zusammenarbeit führen können. (..) Wir brauchen schnelle
Reaktionen, und ich bin deshalb der Meinung, dass der Reform der Vereinten
Nationen eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Die Vereinten Nationen sind
heute in ihrer Reaktionsfähigkeit zu langsam, und deshalb ist das nicht nur
eine Frage von simplen strukturellen Änderungen, sondern es ist eine Frage der
Handlungsfähigkeit einer globalen Institution, der Deutschland und ich persönlich
eine große Bedeutung beimessen. (..) Ich glaube auch ganz persönlich,
dass die Instrumente der Konfliktprävention und Krisenbewältigung wirksamer
werden müssen, und dazu brauchen wir eine gemeinsame völkerrechtliche
Grundlage. Nach meiner Auffassung muss die Weiterentwicklung des Völkerrechts
im Rahmen der UNO erfolgen - zumindest hielte ich dies für optimal -, damit
hier auch wirklich eine legitimierte, von vielen getragene Basis vorhanden ist,
um auf die völlig neuen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts reagieren zu können.
Deutschland will und wird hierzu seinen Beitrag leisten. (..) Die Herausforderungen der
Globalisierung wird ein Land mit 80 Millionen Einwohnern alleine nicht bewältigen
können, weder, was die wirtschaftlichen Kooperationsmöglichkeiten anbelangt -
hier brauchen wir Institutionen wie die WTO und vieles andere -, noch, was die
Ansprüche an die eigene Sicherheit anbelangt. Deshalb sind wir aus tiefstem
eigenen Interesse davon überzeugt, dass wir Bündnisse wie die NATO brauchen
und dass wir die transatlantische Partnerschaft brauchen. Dieses eigene
Interesse ist aus meiner Sicht in der Politik immer die beste Voraussetzung dafür,
dass man auch zu wichtigen Kooperationen kommt. |