Wir befinden uns am Wendepunkt der ernsthaftesten Krise in
der jüngeren Geschichte. Die Bush-Administration hat sich auf ein militärisches
Abenteuer eingelassen, das die Zukunft der Menschheit bedroht. Die
Kriege in Afghanistan und Irak sind Teil einer umfassenderen militärischen
Agenda, die mit dem Ende des Kalten Krieges auf den Plan trat. Die
gegenwärtig stattfindenden Kriege stellen die Fortsetzung des
Golfkrieges von 1991 und der NATO-Aggression gegen Jugoslawien dar.
Die Zeit nach dem Ende des Kalten Krieges ist darüber hinaus durch
zahlreiche US-amerikanische Geheimdienstoperationen auf dem Gebiet der
ehemaligen Sowjetunion gekennzeichnet, welche dem Ziel dienten, Bürgerkriege
in mehreren früheren Sowjetrepubliken zu provozieren bzw. eskalieren zu
lassen, wie dies in Tschetschenien (innerhalb der russischen Föderation),
Georgien und Aserbaidschan geschehen ist. In letztgenannten Ländern
wurden diese geheimen Operationen mit dem Ziel der strategischen
Kontrolle über Korridore für Öl- und Gasleitungen durchgeführt.
US-amerikanische Militär- und Geheimdienstoperationen wurden seit
dem Ende des Kalten Krieges in Osteuropa, der früheren Sowjetunion und
auf dem Balkan in enger Abstimmung mit den vom IWF diktierten »Reformen
zur Etablierung eines freien Marktes« durchgeführt, welche die
Destabilisierung der nationalen Wirtschaftssysteme und die Verarmung von
Millionen Menschen zur Folge haben. Die von der Weltbank finanzierten
Privatisierungsprogramme in diesen Ländern ermöglichten es dem
westlichen Kapital, die Kontrolle über einen Großteil der Ökonomien
der Länder des ehemaligen Ostblocks zu gewinnen. Dieser Entwicklung
liegen auch Fusionen und Übernahmen strategisch wichtiger Teile der Ölindustrie
der ehemaligen Sowjetunion durch große westliche Konzerne zugrunde, die
durch Manipulation und korrupte Geschäftspraktiken zustande kamen. In
dem von den USA geführten Krieg geht es mit anderen Worten quasi um die
Rekolonialisierung eines Gebietes, das sich vom Balkan bis nach
Zentralasien erstreckt.
Die Entwicklung der US-amerikanischen Kriegsmaschinerie dient dazu,
das ökonomische Einflußgebiet der USA zu vergrößern. Die Vereinigten
Staaten haben nicht nur eine dauerhafte Militärpräsenz im Irak und in
Afghanistan durchgesetzt, sie verfügen auch über Militärstützpunkte
in mehreren ehemaligen Sowjetrepubliken entlang der chinesischen
Westgrenze. Krieg und Globalisierung gehen Hand in Hand. Die
Militarisierung flankiert, unterstützt und sichert die Eroberung neuer
ökonomischer Grenzen und der weltweiten Durchsetzung des Systems des
freien Marktes.
Die nächste Phase des Krieges
Die Bush-Administration hat Syrien als nächste Etappe auf der »Karte
zum Krieg« benannt. Die Bombardierung von vermeintlichen
Terroristenlagern durch die israelische Luftwaffe im vergangenen Oktober
sollte als Rechtfertigung für künftige militärische Präventivschläge
und Interventionen dienen. Ariel Scharon führte die Angriffe mit der
Zustimmung Donald Rumsfelds aus (vgl. Gordon Thomas, Global Outlook,
6/2003). Die geplante Ausweitung des Krieges auf Syrien hat
ernstzunehmende Konsequenzen. Sie bedeutet, daß Israel zu einem
Hauptakteur in dem Krieg der USA und zu einem »offiziellen« Mitglied
der angloamerikanischen Koalition aufsteigt.
Das Pentagon plant die Kontrolle des syrischen Territoriums, um auf
diese Weise eine Verbindung zwischen Israel und dem besetzten Irak
herzustellen, was militärisch wie auch ökonomisch von großer
strategischer Bedeutung ist. Dieser Schritt würde die Kontrolle der
irakischen Grenze ermöglichen. So könnte die Zahl der Freiwilligen
eingedämmt werden, die in den Irak einreisen, um sich der irakischen
Widerstandsbewegung anzuschließen.
Diese Erweiterung des Kriegsschauplatzes deckt sich mit Ariel
Scharons Plan, ein »Großisrael« »auf den Trümmern des palästinensischen
Nationalismus« zu errichten. Während Israel darum bemüht ist, seine
territoriale Einflußzone in Richtung Euphrat auszuweiten und Siedlungen
auf syrischem Territorium zu errichten, werden die Palästinenser in
Gaza und der Westbank hinter einer »Apartheidsmauer« eingesperrt.
Unterdessen hat der US-Kongreß die Wirtschaftssanktionen gegen
Libyen und Iran verschärft. Darüber hinaus deutet Washington die
Notwendigkeit eines »Regimewechsels« in Saudi-Arabien an. Der
politische Druck auf die Türkei nimmt zu. Der Krieg könnte sich also
auf ein weit größeres Gebiet ausdehnen, das sich vom östlichen
Mittelmeer bis zum indischen Subkontinent und der Westgrenze Chinas
erstreckt.
Präventiver Atomwaffeneinsatz
Washington hat eine Politik des präventiven nuklearen Erstschlags
beschlossen, die nun auch die Zustimmung des Kongresses erhalten hat.
Die Zeiten, in denen der Einsatz von Atomwaffen nur als allerletztes
Mittel in Frage kam, scheinen vorüber.
Die USA, Großbritannien und Israel haben ihre Atomwaffenpolitik
miteinander abgestimmt. Israels atomare Sprengköpfe sind auf Hauptstädte
im mittleren Osten gerichtet. Die Regierungen aller drei Länder haben
schon vor dem Krieg gegen den Irak recht offen zugegeben, daß sie
darauf vorbereitet sind, Atomwaffen einzusetzen, sollten sie sich einem
Angriff mit Massenvernichtungswaffen ausgesetzt sehen. Israel ist die fünftgrößte
Atommacht der Welt. Sein Atomwaffenarsenal ist besser ausgestattet als
das Großbritanniens.
Nur wenige Wochen nach der Einnahme Bagdads durch US-Marines gab der
Militärausschuß des US-Senats dem Pentagon grünes Licht für die
Entwicklung einer neuen taktischen Atombombe, die auf konventionellen
Kriegsschauplätzen eingesetzt werden soll. Sie soll eine Zerstörungskraft
besitzen, welche die der auf Hiroshima abgeworfenen Bombe um das
Sechsfache übersteigt.
Dem Senatsbeschluß Folge leistend, traf sich das Pentagon heimlich
mit Führungspersonen der Atomindustrie und des militärisch-industriellen
Komplexes im zentralen Befehlshauptquartier auf dem »Offutt«-Luftwaffenstützpunkt
in Nebraska. Das Treffen fand am 6. August statt – dem Tag, an dem 58
Jahre zuvor die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen wurde.
Die neue Atompolitik schließt explizit die Atom- und Waffenindustrie
in die Kriegsplanung mit ein, was der »Privatisierung« des Atomkriegs
gleichkommt. Die Firmen verdienen nicht nur Milliarden mit der
Atomwaffenproduktion, sie haben auch direktes Mitspracherecht bei der
Frage nach der Anwendung dieser Waffen.
Unterdessen hat das Pentagon eine große Werbe- und
Public-Relations-Kampagne gestartet, um in der Bevölkerung um
Zustimmung für den Einsatz von Atomwaffen für die »Verteidigung des
Vaterlandes« zu werben. Mit ausdrücklicher Billigung des Kongresses
werden die »Miniatur-Atombomben« (»mini-nukes«) als »für
Zivilisten ungefährlich« deklariert. Diese neue Generation von
Atomwaffen ist in der nächsten Phase des Krieges für den Einsatz auf
»konventionellen Kriegsschauplätzen«(d. h. im Mittleren Osten und
Zentralasien) zusammen mit konventionellen Waffen vorgesehen. Im
Dezember 2003 hat der Kongreß allein für das Jahr 2004 die
Bereitstellung von 6,3 Milliarden Dollar für die Entwicklung dieser
neuen Generation »defensiver« Nuklearwaffen bewilligt. Der gesamte
Verteidigungsetat der Vereinigten Staaten hat mit 400 Milliarden Dollar
ungefähr den gleichen Umfang wie das gesamte Bruttoinlandsprodukt der
Russischen Föderation.
Während es keinen sicheren Beweis für den Einsatz von »Mini-Atombomben«
im Irak und in Afghanistan gibt, haben Tests des kanadischen »Uranium
Medical Research Center« (UMRC) ergeben, daß die in Afghanistan
festgestellte radioaktive Verstrahlung nicht auf die mit abgereichertem
Uran ummantelten Geschosse (»depleted uranium ammunition«, DU),
sondern auf eine andere Form radioaktiver Verseuchung zurückzuführen
ist: »Irgendeine Art radioaktiver Waffe wurde eingesetzt (…) Die
Ergebnisse waren verblüffend: Die Proben ergaben Konzentrationen
giftiger radioaktiver Uranisotope, die 100 bis 400 mal höher waren als
die, welche bei den Golfkriegsveteranen 1999 festgestellt worden waren.«
(www.umrc.de)
Die Kriegsplanung
Der Krieg gegen den Irak befand sich spätestens seit Mitte der 90er
Jahre im Stadium der Planung. Ein Dokument der Clinton-Administration über
Fragen der nationalen Sicherheit aus dem Jahr 1995 nennt als Kriegsziel
ganz offen »den ununterbrochenen und sicheren Zugang der USA zu Öl«.
Im September 2000, ein paar Monate, bevor George W. Bush ins Weiße Haus
einzog, veröffentlichte das »Projekt für ein neues amerikanisches
Jahrhundert« (»Project for a New American Century«, PNAC) seinen
Entwurf zur Erlangung weltweiter Hegemonie unter dem Titel: »Amerikas
Verteidigung neu aufbauen«.
Das PNAC ist eine neokonservative Denkfabrik, die in enger Verbindung
zu den Geheimdiensten, der Republikanischen Partei und dem einflußreichen
»Amt für internationale Beziehungen« (»Council on Foreign Relations«,
CFR) steht, das bei der Formulierung der US-amerikanischen Außenpolitik
hinter den Kulissen agiert. Das erklärte Ziel des PNAC besteht darin,
»auf verschiedenen Kriegsschauplätzen gleichzeitig zu kämpfen und zu
siegen«. Dieses Statement macht deutlich, daß die USA vorhaben,
gleichzeitig an verschiedenen Orten auf dem Globus Kriege zu führen.
Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz, Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld und Vizepräsident Dick Cheney hatten den Entwurf des
PNAC schon vor den Präsidentschaftswahlen in Auftrag gegeben. Das PNAC
entwirft einen Eroberungsplan. Es fordert »die Einrichtung
amerikanischer Stützpunkte (»forward bases«) in ganz Zentralasien und
dem Mittleren Osten« mit dem Ziel der Absicherung der weltweiten ökonomischen
Vormachtstellung und der Unterdrückung eines jeden möglichen Rivalen
und jeglicher in Erscheinung tretender Alternative zu der
US-amerikanischen Vision der freien Marktwirtschaft. (vgl. Chris Ford:
Bush’s Crusade for Empire, Global Outlook, 6/2003)
Der PNAC-Entwurf stellt auch für die Kriegspropaganda ein
ausgearbeitetes System bereit. Ein Jahr vor dem 11. September sprach das
PNAC von der Notwendigkeit »eines katastrophalen und klärenden
Ereignisses, einem neuen Pearl Harbor«, welches die öffentliche
Meinung in den Vereinigten Staaten für die Unterstützung eines
Kriegsplanes mobilisieren könnte. (vgl.http://www.globalsearch.ca/articles//NAC304A.html)
Die Ideologen des PNAC scheinen mit zynischer Präzision die
Instrumentalisierung des elften September als »Vorwand für einen Krieg«
vorweggenommen zu haben.
Die Rede des PNAC von einem »katastrophalen und klärenden Ereignis«
erinnert an eine ähnliche Bemerkung David Rockefellers vor dem
Wirtschaftsausschuß der Vereinten Nationen (»UN Business Council«)
aus dem Jahr 1994: »Wir stehen am Beginn eines weltweiten Umbruchs.
Alles, was wir brauchen, ist die eine richtig große Krise und die
Nationen werden die Neue Weltordnung akzeptieren.«
Ähnlich Zbigniew Brzezinski in seinem Buch »The Grand Chessboard«:
»Es scheint schwieriger, (in den USA) eine Übereinstimmung in der Außenpolitik
erreichen zu können, es sei denn für den Fall einer riesigen und
weitreichend wahrgenommenen direkten Bedrohung.« Brzezinski,
Sicherheitsberater von James Carter, war eine der Schlüsselfiguren beim
Aufbau des Al-Qaida-Netzwerks durch die CIA anläßlich des Krieges
zwischen der Sowjetunion und Afghanistan (1979–1989).
Das »katastrophale und klärende Ereignis«, von dem beim PNAC die
Rede ist, stellt einen integralen Bestandteil der US-amerikanischen
Militärplanung dar. General Tommy Franks, der den Angriff gegen den
Irak leitete, stellte erst vor kurzem (Oktober 2003) die Bedeutung eines
»zivile Opfer in großer Menge fordernden Anschlags« für die
Errichtung einer Militärherrschaft in den USA heraus. (Vgl.: General
Tommy Franks fordert die Außerkraftsetzung der US-amerikanischen
Verfassung, November 2003, http://www.globalsearch.ca/articles/EDW311A.
html)
Franks beschreibt das Szenario: »Ein zivile Opfer in großer Menge
fordernder terroristischer Anschlag wird irgendwo in der westlichen Welt
eintreten – es könnte in den USA sein. Dies wird die Bevölkerung
dazu veranlassen, unsere eigene Verfassung in Frage zu stellen und der
Militarisierung unserer Gesellschaft zuzustimmen, um ein weiteres
solches Ereignis zu verhindern.« Diese Äußerung eines Mannes, der
aktiv an militärischen und geheimdienstlichen Planungen auf höchster
Ebene beteiligt war, läßt vermuten, daß es sich bei der »Militarisierung
unseres Landes« um eine sich bereits vollziehende operationale
Voraussetzung handelt. Sie ist Teil des weiterreichenden »Washington
consensus«. Sie charakterisiert die »Roadmap« der Bush-Administration
in Sachen Krieg und »Heimatverteidigung«. Es erübrigt sich, darauf
hinzuweisen, daß sie auch integraler Bestandteil der neoliberalen
Agenda ist.
Der »massenhaft zivile Opfer fordernde terroristische Anschlag«
wird von General Franks als entscheidender politischer Wendepunkt
dargestellt. Die hieraus resultierende Krise und gesellschaftliche
Unruhe sollen die politischen, gesellschaftlichen und institutionellen
Strukturen der USA nachhaltig verändern. General Franks Äußerung
spiegelt den innerhalb des US-Militärs herrschenden Konsens darüber
wider, wie die Dinge sich entwickeln sollten. Der »Krieg gegen den
Terrorismus« biete die Rechtfertigung dafür, die rechtsstaatlichen
Prinzipien außer Kraft zu setzen, um auf lange Sicht »die bürgerlichen
Freiheiten zu schützen«.
Franks’ Ausführungen legen einen Automatismus nahe, nach dem ein
von Al Qaida organisierter terroristischer Anschlag in den USA einen
Staatsstreich der militärischen Hardliner nach sich ziehen wird. Das »mit
Pearl Harbour vergleichbare Ereignis« würde als Vorwand benutzt
werden, den Ausnahmezustand auszurufen und zur Einsetzung einer Militärregierung
führen.
In vielerlei Hinsicht hat sich diese Militarisierung zivilstaatlicher
Institutionen unter dem Deckmantel der bürgerlichen Demokratie bereits
vollzogen.
Kriegspropaganda
Unter dem Eindruck der Angriffe auf das World Trade Center schuf
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld das »Amt für strategische Einflußnahme«
(»Office for Strategic Influence, OSI) oder auch »Ministerium für
Desinformation«, wie Kritiker es zu nennen pflegen: »Das
Verteidigungsministerium sagte, sie müßten das machen, und sie
erfanden tatsächlich irgendwelche Geschichten in der Hoffnung, so die
öffentliche Meinung in der ganzen Welt beeinflussen zu können.
(Interview mit Steve Adubato, Fox News, 26. Dezember 2002)
Urplötzlich wurde das OSI auf politischen Druck hin wieder aufgelöst,
nachdem in den Medien davon die Rede gewesen war, seine Aufgabe bestehe
darin, »im Dienste amerikanischer Interessen bewußt Lügen zu
verbreiten«. (Air Force Magazine, Januar 2003) »Rumsfeld machte einen
Rückzieher und bezeichnete die Berichte als peinlich.« (Adubato) Aber
trotz dieser offensichtlichen Kurskorrektur änderte sich an der
Desinformationskampagne des Pentagon nichts, sie läuft nach wie vor
nach altem Muster: »Der Verteidigungsminister ist in dieser Hinsicht
nicht besonders aufrichtig. Gezielte Fehlinformationen im Zusammenhang
mit militärstrategischen Verlautbarungen sind Teil eines jeden Krieges.«
(ebenda)
Rumsfeld bestätigte später in einem Interview, daß, obschon das
OSI dem Namen nach nicht länger existiere, die Aufgaben, welche ihm
zugedacht waren, nach wie vor erfüllt würden. (zitiert nach den »Geheimen
Nachrichten« des »Zusammenschlusses amerikanischer Wissenschaftler«,
FAS), http://www.fas.org/sgp/news/ secrecy/2002/11/112702.html) Nach wie
vor arbeitet eine ganze Anzahl von Abteilungen und Gruppen an der Fortführung
der Kampagne. Sie sind entweder der Regierung oder den Geheimdiensten
unterstellt und stehen natürlich alle in enger Verbindung mit dem
Pentagon.
Die Dinge werden auf den Kopf gestellt. Kriegerische Handlungen
werden zu »humanitären Interventionen« mit dem Ziel eines »Regimewechsels«
und der »Einführung der Demokratie« umgelogen. Militärische
Besatzung und die Ermordung von Zivilisten werden als »friedenssichernde
Maßnahmen« verkauft. Die Abschaffung bürgerlicher Rechte und
Freiheiten in Zusammenhang mit den »Antiterrorgesetzen« wird als
Mittel zur Bewahrung der inneren Sicherheit und der Verteidigung
zivilgesellschaftlicher Errungenschaften dargestellt.
Al Qaida und das Pentagon
Der Nationalen Sicherheitsstrategie (NSS) zufolge stellen die Doktrin
des »präventiven Verteidigungskrieges« und der »Krieg gegen den
Terrorismus« bzw. gegen das Terrornetzwerk Al Qaida die beiden
Hauptpfeiler der Propagandakampagne des Pentagon dar. Das Ziel besteht
in der Vermittlung »präventiver Militärschläge« – d. h. Krieg als
Mittel der Selbstverteidigung – gegen zwei Arten von Feinden, »Schurkenstaaten«
und »islamistische Terroristen«:
»Der weltweite Krieg gegen den Terrorismus ist ein globales
Unternehmen von unabsehbarer Dauer. (…) Die Vereinigten Staaten werden
gegen derlei Bedrohungen vorgehen, noch bevor sie sich vollständig
ausgebildet haben. (…) Schurkenstaaten und Terroristen werden nicht
versuchen, uns mit herkömmlichen Mitteln anzugreifen, da sie wissen, daß
derlei Versuche scheitern würden. Statt dessen setzen sie auf
terroristische Anschläge und die Anwendung von Massenvernichtungswaffen
(…)
Die Ziele dieser Angriffe sind sowohl unsere Streitkräfte wie auch
unsere Zivilbevölkerung, was eine der wichtigsten Grundsätze der
Gesetze der Kriegführung verletzt. Wie der 11. September 2001 gezeigt
hat, geht es diesen Terroristen darum, möglichst viele Zivilisten zu
treffen und diese Verluste unter der Zivilbevölkerung wären noch um
ein vielfaches höher, kämen Terroristen in den Besitz von
Massenvernichtungswaffen und sähen sich in die Lage versetzt, diese zur
Anwendung bringen.
Schon seit langem behalten sich die USA die Möglichkeit präventiver
Maßnahmen vor, um Bedrohungen der nationalen Sicherheit zu begegnen. Je
größer die Bedrohung, desto gefährlicher ist es, sich passiv und
abwartend zu verhalten und desto zwingender ist es, vorbeugende Maßnahmen
zu unserer Verteidigung zu ergreifen (…). Um derartigen Aggressionen
unsere Gegner zuvorzukommen und sie zu verhindern, werden die
Vereinigten Staaten, falls notwendig, präventive Maßnahmen ergreifen.«
(Nationale Sicherheitsstrategie, Weißes Haus )
Um vorbeugende Militärschläge rechtfertigen zu können, muß die
Nationale Sicherheitsdoktrin eine terroristische Bedrohung, einen »äußeren
Feind« heraufbeschwören und gleichsam die Behauptung aufstellen, die
terroristische Bedrohung gehe von den sogenannten Schurkenstaaten aus,
die Terroristen finanziell und logistisch unterstützten. Das bedeutet
aber auch, daß die möglichen »massenhaft zivile Opfer fordernden
Anschläge«, die mit Al Qaida (dem äußeren Feind) argumentieren, Teil
des nationalen Sicherheitskonzepts sind.
* Montag: Feindbestimmung