Nach Anschlag: Verbündete bekräftigen Irak-Politik
Nach dem verheerenden Selbstmord-Anschlag auf das italienische Hauptquartier in
Nasirija wollen die verbündeten Regierungen in Rom, London und Washington an
ihrer Irak-Politik festhalten. Der italienische Ministerpräsident Silvio
Berlusconi betonte, Italien werde sich durch den Anschlag nicht einschüchtern
lassen. Oppositionspolitiker in Rom hatten den sofortigen Abzug der
italienischen Soldaten verlangt. US-Präsident George W. Bush dankte Italien für
seine Standfestigkeit. Der britische Premierminister Tony Blair bekräftigte,
ein Rückzug der Koalitionstruppen wäre "das Schlimmste, das wir tun könnten".
Mindestens 28 Tote
Bei dem bisher schwersten Anschlag auf Verbündete der USA im Irak wurden
mindestens 19 Italiener und neun Iraker getötet. Unter den Toten sind auch vier
Kinder, berichtete das italienische Fernsehen. Außerdem wurden insgesamt rund
60 Menschen verletzt. Eine Sprecherin des britischen Divisionskommandos in Basra
gab die Zahl der verletzten Italiener mit 21 an.
Japan sendet vorerst keine Truppen
Japan zieht seine eigenen Schlüsse aus dem Anschlag: Die Regierung will vorerst
keine Soldaten in den Irak entsenden. Die derzeitige Lage erlaube es
"leider" nicht, Truppen zu schicken, erklärte Regierungssprecher
Yasuo Fukuda. Wenn die Situation es zulasse, könnten die Soldaten aber
"jederzeit" in den Irak gehen. Ein im Juli in Kraft getretenes Gesetz
zur Hilfe beim Irak-Wiederaufbau öffnet Japan die Hintertür: Es untersagt der
japanischen Regierung, Soldaten in Kampfgebiete zu schicken. So bleibt es
vorerst bei moralischer Unterstützung: Regierungschef Junichiro Koizumi erklärte,
sein Land bleibe dem Irak-Wiederaufbau verpflichtet. "Wir können uns nicht
vom Terrorismus einschüchtern lassen."
Anschlag verurteilt
Die internationale Gemeinschaft verurteilte den Anschlag einhellig: Von
UN-Generalsekretär Kofi Annnan über die EU-Kommission und Papst Johannes Paul
II. bis zu US-Präsident Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder sprachen alle
den Angehörigen der Soldaten ihr Beileid aus. Italien machte Anhänger des gestürzten
Saddam-Regimes für das Blutbad verantwortlich. Im Juni hatte die italienische
Regierung ein Kontingent von fast 3000 Soldaten in den Irak entsandt. Sie sollen
unter britischem Oberbefehl die USA und Großbritannien unterstützen, im Irak
Frieden zu schaffen.
USA bombadieren Gebäude in Bagdad
Im Irak reagierten die USA mit einem ersten Gegenschlag auf das Attentat:
Amerikanische Truppen bombardierten in der Hauptstadt Bagdad ein Gebäude, in
dem sich bewaffnete Gegner der Koalitionskräfte getroffen haben sollen. Dabei
seien mindestens zwei Iraker getötet worden, berichtete der US-Sender CNN. Die
Soldaten nahmen fünf Iraker fest.
Schnelle Machtübergabe an die Iraker
In Washington tagte der Nationale Sicherheitsrat unter der Leitung von Bush. Es
geht um eine schnellere Machtübergabe an die Iraker. Der oberste Zivilverwalter
im Irak, Paul Bremer, wurde zu dem Krisengespräch eigens nach Washington
beordert. Bremer kehrt mit Vorschlägen zur Reform des irakischen
Regierungsrates nach Bagdad zurück.