62 Prozent für Räumung der Siedlungen
Eine entsprechende Umfrage veröffentlichte die israelische Zeitung "Jediot
Achronot": Demzufolge würden 55 Prozent der Befragten einen Teilrückzug
aus den Palästinensergebieten und Ostjerusalem unterstützen, wie ihn Ehud
Olmert, der Stellvertreter des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon,
kürzlich angeregt hatte. 62 Prozent meinten, Israel müsse im Rahmen einer endgültigen
Friedenslösung die meisten jüdischen Siedlungen räumen.
Weitere Umfrage mit ähnlichem Ergebnis
Dies deckt sich mit einer ähnlichen Erhebung, die die Zeitung "Haaretz"
in der vergangenen Woche veröffentlicht hatte: Demnach steht mit 60 Prozent
eine Mehrzahl der Israelis "sehr" oder "ziemlich" positiv
dem Abriss der jüdischen Siedlungen auf besetztem Gebiet gegenüber.
Scharon-Stellvertreter für Teilrückzug auch aus Jerusalem
Scharons Stellvertreter Olmert hatte in der vergangenen Woche mit einem
Zeitungsinterview für Aufsehen gesorgt, in dem er sich für einen einseitigen
Teilabzug Israels aus den besetzten Palästinensergebieten im Westjordanland und
arabischen Ortschaften im Umkreis von Jerusalem aussprach. Wer glaube, Israel könne
weiterhin alle Palästinensergebiete kontrollieren, lebe in einer
"virtuellen Wirklichkeit", sagte der selbst als stark rechtsorientiert
geltende Minister. Den Ultra-Rechten, die gegen die Vorschläge Sturm laufen,
warf Olmert "Heuchelei" vor.
Mehrheit für Regierung ohne Nationalreligiöse
Eine Mehrheit der Israelis sieht das offenbar ähnlich: 54 Prozent sind laut
"Jediot Achronot" für die Bildung einer neuen Koalition aus Scharons
Likud, Arbeitspartei und der bürgerlich-säkularen Schinui-Partei - also einer
Regierung ohne die religiös-nationalistischen Parteien. Nach Äußerungen
Scharons über mögliche "einseitige Schritte" in den Palästinensergebieten,
darunter auch die Räumung von Siedlungen, hatten zwei nationalistische Parteien
mit einem Ausscheiden aus der Regierungskoalition gedroht.
Scharon verteidigt Sicherheitszaun
Kein Terror - kein Zaun
Scharon betonte aber, dass der Sicherheitszaun keine dauerhafte Einrichtung
bleiben müsse: "Wenn es keinen palästinensischen Terror mehr gibt, gibt
es keinen israelischen Zaun mehr." Deshalb sei der Sicherheitswall zwischen
Israel und den Palästinensergebieten auch "keine politische Grenze".
Verständnis für Palästinenser
Scharon zeigte Verständnis für Verärgerung der Palästinenser über den Zaun:
"Gewiss: Dieser Zaun ist nicht sehr angenehm für die Palästinenser."
Deshalb unternehme Israel zahlreiche Schritte, um ihnen das Leben mit der
Sicherheitsgrenze zu erleichtern.