Kritiker fühlen sich bestätigt
Bereits vor der Veröffentlichung war das Papier von den Kritikern des
Irak-Kriegs als Bestätigung ihres Vorwurfes gewertet worden, das Waffenarsenal
des Landes sei nicht so bedrohlich gewesen wie von den USA und Großbritannien
dargestellt. Die britische Regierung bewertete den Bericht dagegen als Beweis
dafür, dass sich der Irak unter seinem damaligen Präsidenten Saddam Hussein über
den Willen der Vereinten Nationen hinweggesetzt habe und dessen Sturz deswegen
gerechtfertigt sei.
Neue Irak-Resolution Kaum
Neues von den USA
Wichtigster Grund für den Krieg
Die USA und Großbritannien hatten ihren Krieg gegen den Irak mit der Gefahr
begründet, die von Massenvernichtungswaffen des Landes ausgehe. US-Präsident
George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair stehen deswegen
innenpolitisch inzwischen unter starkem Druck. Kritiker halten ihnen vor,
falsche Angaben gemacht zu haben, um sich die Unterstützung für den Einsatz zu
sichern.
"Zu früh für endgültige Schlüsse"
Viele Belege zu den Waffenprogrammen seien "unwiederbringlich
verloren", stellte Kay in seinem Bericht weiter fest. "Es ist viel zu
früh, endgültige Schlüsse zu ziehen und in bestimmten Bereichen werden wir
dieses Ziel möglicherweise nie erreichen." Die Vereinten Nationen (UN)
hatten das Arsenal des Iraks mit eigenen Inspektoren zu klären versucht, die
ihrerseits keine Nachweise für die Waffen entdeckten. Mehreren Resolutionen
zufolge sollte Saddam seine Waffenprogramme offenlegen. Die UN stellten dann
zwar fest, dass Saddam dieser Forderung nicht ausreichend nachkam, unterstützten
den Krieg gegen das Land jedoch nicht ausdrücklich.
Bush will mehr Geld für Waffen-Suche
Die Bush-Regierung will die Suche nach illegalen Waffenprogrammen im Irak
ungeachtet des bisherigen Mißerfolgs fortsetzen: Sie verlangt dafür weitere
600 Millionen US-Dollar vom Kongress. Damit soll unter anderem die "Iraq
Survey Group" auf 1400 Personen aufgestockt werden. Zusammen mit dem Geld,
das bereits ausgegeben wurde, erreicht die Summe für die Suche nach
Massenvernichtungswaffen damit eine Billion US-Dollar.
Bush immer stärker unter Druck
Unterdessen wachsen in den USA die Zweifel am Sinn des Irak-Krieges und am Führungsstil
von Präsident George W. Bush. In einer Umfrage der "New York Times"
und des Fernsehsenders CBS News erklärten 53 Prozent der Befragten, der Krieg
im Irak habe sich nicht gelohnt. Bush erreichte Zustimmungswerte von knapp über
50 Prozent. Damit liegt seine Popularität nur noch knapp über dem geringsten
Wert aus der Zeit vor den Flugzeug-Anschlägen vom 11. September 2001. Nach den
Anschlägen waren Bushs Zustimmungswerte auf 89 Prozent hochgeschnellt.
Fähigkeiten als Krisenmanager im Zweifel
Auch Bushs Fähigkeiten als Krisenmanager scheinen gelitten zu haben. So
zweifelte der Erhebung zufolge die Hälfte der Befragten an Bushs Vermögen,
eine internationale Krise zu meistern. Sein außenpolitischer Kurs traf
lediglich bei 44 Prozent auf Zustimmung. Ungeachtet der Kritik geht jedoch die Hälfte
der Befragten davon aus, dass Bush in gut einem Jahr erneut zum US-Präsidenten
gewählt wird, während 35 Prozent dies bezweifeln.
Weiter hoher Blutzoll im Irak
Nach dem von Bush verkündeten Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak Anfang Mai
sind Dutzende US-Soldaten bei Angriffen ums Leben gekommen. Neben der instabilen
Sicherheitslage in dem Land erregen die Kosten des Einsatzes immer stärkere
Kritik in den USA. Der Einsatz kostet Milliardensummen und belastet den
US-Haushalt, in dem bereits ein riesiges Defizit klafft. Der Umfrage zufolge
schwindet auch die Zustimmung für die Wirtschaftspolitik der Regierung. So
zweifelten 56 Prozent der Befragten an Bushs Wirtschaftskurs, während vier
Monate zuvor noch 54 Prozent seiner Wirtschaftspolitik vertraut hätten.