Rund hunderttausend Menschen haben in Berlin gegen die rot-grüne Reformpolitik
demonstriert. Diese Zahl nannten Polizei und Veranstalter des Protestzuges übereinstimmend
nach der "Demo gegen Sozialkahlschlag" in Berlin. Die Erwartungen der
Organisatoren, die mit nur 10.000 bis 20.000 Demonstranten gerechnet hatten,
wurden damit weit übertroffen. Zum Protest aufgerufen hatte ein Bündnis von
Reformkritikern, darunter das globalisierungskritische Bündnis Attac, die
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mit einigen Landesverbänden, weitere
Gewerkschaftsgliederungen und die PDS.
Attac will außerparlamentarische Opposition
"Die Menschen hier und weltweit haben die Nase voll von der Propaganda im
Dienste der Profitsteigerung", sagte Ilona Plattner von Attac bei der
Abschlusskundgebung am Berliner Gendarmenmarkt. Sie kritisierte, dass vor allem
Arme, Alte, Arbeitslose und Kranke zur Kasse gebeten würden, während
gleichzeitig Spitzensteuersatz und Unternehmenssteuern gesenkt würden.
"Rot-Grün ist verantwortlich für das gigantischste Verarmungsprogramm,
das dieses Land je gesehen hat", warf Plattner der Koalition vor.
Allerdings bestehe auch kein Zweifel, dass die Opposition bereits in den Startlöchern
stehe, um das rot-grüne Programm rechts zu überholen. Gerade weil es in den
Parlamenten kaum Opposition gegen die neoliberale Politik gebe, sei eine breite
außerparlamentarische Opposition notwendig.
Neue "Internationale" gefordert
Bernd Riexinger von ver.di Stuttgart forderte in seiner Rede eine gerechte
Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums: "Wir wollen, dass in einem
reichen Land alle Menschen unter sozialen Bedingungen und in Würde leben können
und nicht die Reichen immer reicher und die Armen immer Ärmer werden." Der
Autor Rainer Roth betonte die internationale Perspektive des Protests. Die
Arbeiter sollten sich international gegen das Kapital zusammenzuschließen.
"Großer Erfolg" für Veranstalter
Die hohe Beteiligung an der Veranstaltung werteten die Organisatoren als
"großen Erfolg". Die Wut in der Gesellschaft sei so groß, dass sich
in den vergangenen Tagen noch viele Menschen spontan zu einer Teilnahme
entschlossen hätten, sagte ein Sprecher. Die Regierung habe keine Mehrheit in
der Bevölkerung für ihre Reformpolitik. Die Demonstranten kamen laut Polizei
mit mehr als 300 Bussen aus dem ganzen Bundesgebiet.
Weitere Protestveranstaltungen geplant
Die Reformkritiker wenden sich unter anderem gegen die geplanten Arbeitsmarkt-
und Gesundheitsreformen. Mit Agenda 2010, Hartz und Rürup betreibe Rot-Grün
"die größten Angriffe auf die Lebens- und Arbeitsverhältnisse seit dem
Zweiten Weltkrieg", hieß es in dem Aufruf des "Bündnisses gegen
Sozialkahlschlag" für die Demo. Die Veranstaltung in Berlin soll den
Auftakt für eine Reihe weiterer Demonstrationen bilden. So sind am 18. November
in Hessen Proteste geplant, die sich besonders gegen die Sparpolitik von
Ministerpräsident Roland Koch (CDU) richten.