Greenpeace Magazin 4.08
Deutschland ist Europameister im Waffenexport. Mit
Rüstungslieferungen in großem Stil heizt unsere Industrie weltweit
schwelende Krisen und Kriege an. Militärisches Gerät gelangt in
Spannungsgebieten in die Hände von zwielichtigen Truppen. Und der Bundestag
schaut weg.
Im Süden des Sudan hat Mareike Schomerus den Blick für die
Details bekommen. Die 36-jährige Entwicklungsforscherin kann mittlerweile eine
Dragunow von einer Duck Gun unterscheiden, ein Gewehr aus dem Osten von einem
westlichen Fabrikat. „Vorherrschende Waffe ist die russische Kalaschnikow“, sagt
sie, „aber auch das deutsche G3 von Heckler & Koch sieht man häufig“. Im Auftrag
des „Small Arms Survey“, einer unabhängigen Forschungsgruppe aus Genf,
analysiert sie, warum die Nachbarstaaten Sudan und Uganda nun schon über viele
Jahre so instabil sind.
Auf Märkten und im Schwarzhandel kommt dort jeder leicht an ein Gewehr. Auch die
Zivilbevölkerung ist praktisch durchgängig bewaffnet, um sich zwischen
verfeindeten Armeen, Milizen und kriminellen Banden zu schützen. Mareike
Schomerus spricht nach mehreren Aufenthalten in einer der unruhigsten Regionen
Afrikas „in einer fast familiären Atmosphäre“ mit den Kämpfern. Nur so bekommt
sie delikate Informationen darüber, wer mit welchen Waffen schießt.
Das G3 war lange Jahre das Standardgewehr der Bundeswehr. Bis in die 80er-Jahre
vergaben der Hersteller Heckler & Koch (Oberndorf) und die Bundesregierung
großzügig Herstellungsgenehmigungen ins Ausland, auch nach Pakistan und in den
Iran. Die G3-Gewehre, mit denen in Afrika geschossen wird, stammen
wahrscheinlich aus solchen Lizenzproduktionen. Als im März bürgerkriegsähnliche
Unruhen in Kenia wüteten, kam diese Waffe zum Einsatz. Laut Roman Deckert vom
Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit (BITS) stammt das
deutsche Gewehr aus englischen Fabriken. Der Nachbarstaat Uganda rüstete dagegen
mit französischen Lizenzprodukten des G3 auf, als die Bundesrepublik dessen
Ausfuhr nach Afrika verbot. Deckert schildert auch, wie sich der Sudan aus
verschiedenen Quellen mit den gleichen Waffen versorgte: „In den 60er- und
70er-Jahren lieferte die Bundesrepublik, in den 8oern Saudi-Arabien, und seit
den 90ern Iran und Pakistan aus ihren Lizenzfertigungen.“
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