Ungewöhnliches Vorgehen
Die Nicht-Einladungen sind trotzdem ungewöhnlich, denn bei allen prominenten
Kriegsgegnern handelt es sich um Oscar-Preisträger aus den vergangenen Jahren.
Normalerweise ist es da selbstverständlich, dass die Ex-Gewinner auch zur Gala
kommen. Richard Gere gehört sogar zum Favoritenkreis für die begehrten
Goldjungen in diesem Jahr: Er ist als bester Schauspieler für die
Musical-Verfilmung "Chicago" nominiert. Allerdings hat das
Organisationskomittee gerade bei ihm besondere Sorge, denn Gere nutzt öffentliche
Auftritte auch gern zu politischen Statements über das von China besetzte
Tibet.
JLo, Berry und Washington sind dabei
Bei anderen Stars hat das Komittee offenbar weniger Berührungsängste: In den
letzten Wochen wurde bereits die Teilnahme von Stars wie Denzel Washington,
Halle Berry, Jennifer Lopez, Will Smith, Renée Zellweger und Meg Ryan angekündigt.
Zu ihren Auswahl-Kriterien wollte die Akademie aber keine Stellung beziehen.
Auffällig ist nur, dass sich keiner dieser Stars bisher gegen einen möglichen
Irak-Krieg der Amerikaner geäußert hat. Sollte das ein wesentliches Kriterium
für die Einladung sein?
Der drohende Krieg bringt die Veranstalter ins
Schwitzen
Möglich wär`s. Die Academy of Motion Picture Arts & Sciences hat einen
guten Draht ins Weiße Haus. Deswegen weiß man schon heute, dass ein Angriff
auf den Irak möglicherweise kurz vor dem magischen 23. März stattfinden könnte.
Und diese Möglichkeit bringt die Hüter der Goldjungen in arge Bedrängnis:
Sollte es die Nachrichtenlage erfordern, drohen Newsberichte rund um die Uhr auf
allen Kanälen. Kaum einer würde da noch der Verleihung zusehen, so die Befürchtung.
In der 75-jährigen Geschichte der Oscars wurde die Zeremonie nur drei Mal
verschoben: 1938 um eine Woche wegen einer Überschwemmung in Los Angeles, dann
1968 um zwei Tage wegen der Ermordung von Martin Luther King und zuletzt 1981 um
24 Stunden wegen des Attentats auf Ronald Reagan. Fiele diesmal die Übetragung
wegen des Golf-Krieges aus, fehlen Millionen Dollar aus Fernseh- und
Werbeeinnahmen. Eine wirtschaftliche Katastrophe für den Veranstalter.