Kein ausreichender Schutz gegen Terror-Angriffe
Angesichts der Gefahr von Terror-Angriffen auf Atomkraftwerke fordert das
Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), fünf der 18 deutschen Kernkraftwerke
vorzeitig vom Netz zu nehmen. BfS-Präsident Wolfram König nannte im Gespräch
mit der "Berliner Zeitung" die Meiler Philippsburg 1, Isar 1, Brunsbüttel,
außerdem Biblis A sowie Obrigheim.
Reaktoren älterer Bauart
Bei diesen Reaktoren handele es sich um Kernkraftblöcke älterer Bauart, die
keinen ausreichenden Schutz gegen Terror-Angriffe mit Passagierflugzeugen böten,
so König. Im Gegenzug zur Stilllegung der Meiler könne die Industrie andere,
modernere Atomkraftwerke länger laufen lassen als im Ausstiegskonsens mit der
Bundesregierung vorgesehen.
Fünf Meiler sind unsicher
Unter den 18 Atomkraftwerken in Betrieb wiesen die fünf genannten Reaktoren
"die größte Unsicherheit" auf, wenn man terroristische Angriffe mit
Passagiermaschinen unterstelle. Dies hätten Analysen der Gesellschaft für
Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) inzwischen gezeigt.
Super-Gau bei jedem Atommeiler
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßte die Forderung
Königs. Die Abschaltung der fünf Kraftwerke sei ein längst überfälliger
Schritt. "Der gezielte Absturz eines Verkehrsflugzeugs kann bei jedem
deutschen Atomkraftwerk zu einem Super-Gau führen" sagte Walter Jungbauer
vom BUND.
Kein Schutz gegen Flugzeug-Absturz
In der Presse wurde seit Januar 2003 mehrmals über ein vertrauliches Gutachten
der GRS berichtet, wonach keiner der deutschen Atommeiler gegen einen
Flugzeug-Absturz gesichert sei. Das Umweltministerium hatte die Untersuchung
nach den Terror-Anschlägen in den USA vom 11. September 2001 in Auftrag
gegeben.
Kritik an Atomindustrie
König warf den deutschen Stromkonzernen vor, nicht angemessen auf
Terror-Gefahren zu reagieren. "Ich finde, die Konzerne sind ihrer
Verantwortung noch nicht in dem Maße gerecht geworden wie es nach dem 11.
September 2001 nötig gewesen wäre", sagte er. Er halte es "für
wirtschaftlich vertretbar und rechtlich möglich", Meiler vorzeitig
abzuschalten und die Restlaufzeiten auf andere Reaktoren zu übertragen. Das
Ausstiegsgesetz erlaube den Konzernen dieses Vorgehen.
Nebel gegen Angriffe
König kritisierte die Bemühungen der Atomkraftbetreiber, die Kernkraftwerke
durch Einnebeln gegen terroristische Angriffe mit Flugzeugen zu schützen. Wenn
dass die wesentliche Vorsorgemaßnahme sei, könne man nicht mit
gesellschaftlicher Akzeptanz rechnen.