Irakische Übergangsregierung schon im Sommer?
Die USA wollen offenbar bereits im kommenden Sommer die Verwaltung des Iraks an
eine Übergangsregierung abgeben. Das berichtete der US-Fernsehsender ABC. Der
amerikanische Zivilverwalter Paul Bremer habe bei einem Treffen mit ranghohen
Irakern in Bagdad einen entsprechenden Plan vorgestellt.
Bush: US-Truppen bis zum Frieden
US-Präsident George W. Bush betonte, dass ein Abzug der US-Soldaten nicht übereilt
erfolgen werde. Einen Zeitplan dafür schloss er weiter aus. "Wir werden
bleiben, bis der Job erledigt ist", sagte der US-Präsident und fügte
hinzu, dass sei, wenn wenn im Irak Freiheit und Frieden herrschten.
Treffen der Stammesführer im Frühling
Dem Fernsehbericht zufolge trug Bremer nach seiner Rückkehr aus Washington
einen Plan vor, nach dem sich im Frühjahr 2004 die Stammesführer der 18
irakischen Provinzen treffen sollen. Sie sollen dann die Delegierten für eine
Versammlung bestimmen, von der bis zum Sommer eine neue Regierung gewählt
werden soll. Der derzeitige Übergangsrat soll eine Rechtscharta und einen
Zeitplan für die Bildung der Übergangsregierung ausarbeiten sowie für die
Organisation von Wahlen. "Dies ist alles gut", zitierte die "New
York Times" Ahmed Tschalabi, den Vorsitzenden des irakischen
Regierungsrates. "Wir werden die US-Truppen im Land haben, aber sie werden
nicht mehr Besatzer sein, sondern eine Truppe, die auf Einladung der irakischen
Regierung hier ist."
Daschle: Gefahr eines Machtvakuums
Der Chef der Demokraten im US-Senat, Tom Daschle, warnte vor einer zu schnellen
Umsetzung der neuen Strategie. "Es wäre falsch zu beschleunigen, ohne die
Dinge in Ordnung gebracht zu haben", sagte er dem TV-Sender CNN. Es bestehe
die Gefahr eines Machtvakuums. Bush wolle aus der Sache herauskommen, aber dies
frühzeitig zu tun, sei ein Fehler, so der Oppositionsführer. Beobacher gehen
davoen aus, dass Washington den Kurswechsel im Irak im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl
in den USA im November 2004 plant.
Eile wegen Übergriffen angemahnt
Bush hatte Bremer am Mittwoch angewiesen, die Übergabe der Verwaltung an die
Iraker zu beschleunigen. Angesichts anhaltender Angriffe auf US-Soldaten wächst
in der US-Regierung die Unzufriedenheit mit der Arbeit des von ihr selbst
eingesetzten irakischen Regierenden Rates. Bei einem Sprengstoffangriff auf
einen amerikanischen Militär-Konvoi kam indes wieder ein US-Soldat ums Leben,
zwei weitere wurden verletzt. Seit dem Ende des Krieges am 1. Mai sind nun 160
amerikanische Soldaten bei Anschlägen getötet worden. Unterdessen setzten die
amerikanischen Streitkräfte in der Nacht ihre Operation "Eisenhammer"
fort. Damit wollen sie die Aufständischen in der Region Bagdad bekämpfen.
Dabei seien Ziele südlich und westlich von Bagdad bombardiert worden.