Human Rights Watch: US-Elitesoldaten folterten (t-online Nachrichen 24.9.05)

Neuer Misshandlungsskandal im Irak: Auch Angehörige von Eliteeinheiten der US-Armee sollen Gefangene gedemütigt und gequält haben. Soldaten der angesehenen 82. US-Fallschirmdivision hätten irakische Häftlinge misshandelt, berichtete die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) am Freitag. Sei berufen sich dabei auf zwei Unteroffiziere und einen Hauptmann der Division. Die Liste der Grausamkeiten ist lang: Die Täter setzten die Gefangenen extremer Hitze oder Kälte aus, gaben ihnen nichts zu essen und zu trinken, ließen sie nicht schlafen, schichteten sie zu menschlichen Pyramiden auf oder verletzten sie brutal.

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"Eine Art Sport"
Der Misshandlungen von PUCs (persons under control), wie die Soldaten die Gefängnisinsassen auch nennen, habe teilweise dazu gedient, bei den Soldaten Stress abzubauen, hieß es in dem HRW-Bericht. "Jeder im Lager hat gewusst, dass man nur in ein PUC-Zelt gehen musste, wenn man seinen Frust loswerden wollte", sagte ein Unteroffizier der Organisation. "Es war eine Art Sport." Einer seiner Kameraden habe sich von einem Häftling einen Baseballschläger aus Metall geben lassen; dann habe er ihm befohlen, sich vornüber zu beugen und ihm das Bein mit dem Schläger gebrochen.

"Wir haben es bei gebrochenen Beinen belassen"
"Solange es keine toten PUCs gegeben hat, ist das eben vorgekommen", berichtete ein weiterer Unteroffizier. "Wir haben Gerüchte von PUCs gehört, die gestorben sind, also haben wir aufgepasst. Wir haben es bei gebrochenen Armen und Beinen und so einem Mist belassen." Die von HRW zitierten Misshandlungsfälle bezogen sich auf den Zeitraum von September 2003 bis April 2004. Die betroffenen Soldaten gehörten demnach dem I. Bataillon des 504. Regiments der 82. Fallschirmdivision an.

HRW: Folter weiter verbreitet als angenommen
"Die Schilderungen legen nahe, dass die Misshandlung von Gefangenen durch das US-Militär sogar noch weiter verbreitet ist als bislang zugegeben wurde, selbst unter Soldaten, die zu den bestausgebildeten, meistausgezeichneten und hoch geachteten Einheiten der Armee gehören", stellte HRW fest. Zumindest der zitierte Hauptmann habe wiederholt versucht, die Misshandlungen an höhere Stellen zu melden, sei dort aber nicht zur Kenntnis genommen worden. Vielmehr sei er ermahnt worden, an seine Karriere zu denken. Ein Armeesprecher sagte, eine interne Ermittlung sei eingeleitet.

Genfer Konventionen zum Schutz von Kriegsgefangenen
Kriegsgefangene unterstehen den Regeln der Genfer Konventionen, die zum Schutz der Menschlichkeit dienen. Den Konventionen zufolge müssen sie vor "Gewalttätigkeit oder Einschüchterung, Beleidigung und öffentlicher Neugier" geschützt werden. Sie haben "Anspruch auf Achtung ihrer Person und ihrer Ehre".