Nach dem Ende der Großoffensive in
Falludscha haben Pioniere der US-Armee mit einer Bestandsaufnahme
der Schäden begonnen.
Noch immer ist Gefechtslärm zu hören, erschüttern Explosionen
die Stadt, während US-Soldaten gegen versprengte Aufständische kämpfen.
„Die Zerstörung ist unglaublich. Es ist überwältigend“,
sagt Feldwebel Todd Bowers. Er gehört dem
Marineinfanterieregiment an, das den Wiederaufbaubedarf
feststellen soll. „Meine erste Frage ist: Wo fängt man an?“
Journalisten waren bislang nicht in allen Teilen der Stadt, in der
einmal 300.000 Menschen lebten. Die Tour mit den Pionieren am
Montag gab nur einen begrenzten Einblick.
In den während der Offensive heftig umkämpften Gebieten im
Norden, Osten und Südosten sowie entlang der Hauptstraße und im
Hauptgeschäftsviertel in der Nähe der Brücke über den Euphrat
sind die Schäden unübersehbar.
Noch vor Beginn der Offensive griffen US-Kampfflugzeuge wiederholt
vermutete Stellungen Aufständischer an. Die Militäraktion am 8.
November begann dann mit einem schweren Luft- und
Artilleriebombardement, anschließend folgten einwöchige Bodenkämpfe,
unterstützt von Panzern und Hubschraubern.
Moderne Technik erlaubte es den Angreifern, einzelne Gebäude
gezielt anzugreifen. So kommt es, dass von vielen Häusern, in
denen Stellungen Aufständischer vermutet wurden, nur noch Trümmer
übrig geblieben sind, während wenige Meter entfernt stehende Gebäude
unversehrt blieben.
Das Büro des irakischen Ministerpräsidenten Ajad Allawi erklärte
am Montag, nur 200 der 17.000 Häuser in Falludscha seien schwer
beschädigt.
Die Zerstörung ist allgegenwärtig
Dennoch ist die Zerstörung allgegenwärtig.
Katzen und Hunde streunen durch Straßen, die übersät sind mit
Ziegelsteinen, Glassplittern, Laternenpfosten, Stromleitungen,
verbogenen Straßensperren und leeren Patronenhülsen.
Mauern und Tore tragen Einschusslöcher. Soldaten haben zudem Löcher
in Mauern gesprengt und Türen eingetreten, um Häuser und Geschäfte
zu durchsuchen.
Tote Iraker liegen am Montag in den Straßen, die Gliedmaßen
verdreht wie umgefallene Schaufensterpuppen. Mindestens zwei
Frauen sind unter den Toten. Über manchen Bezirken hängt der
Gestank verwesenden Fleisches. Eine am Sonntag begonnene Aktion
zum Einsammeln von Leichen gerät einen Tag später ins Stocken,
weil die eingesetzten irakischen Arbeiter von den
Marineinfanteristen zuerst die Öffnung einer Straße zu ihrem
Dorf fordern.
Die meisten zivilen Bewohner der Stadt waren offensichtlich vor
Beginn der Offensive geflohen, einige jedoch nicht. Einige
Familien verlassen die Stadt am Montag zu Fuß.
Die Pioniere besichtigen unter anderem eine Brücke und eine
Wasseraufbereitungsanlage - Einrichtungen, die für die
Wiederherstellung der Normalität von Bedeutung sind. Nun beginne
eine Phase des Sicherns und Stabilisierens, sagt Oberstleutnant
Leonard De Francisci. „Noch während wir Widerstandsnester
ausmerzen, versuchen wir, die Stadt für die Rückkehr von
Zivilisten zu öffnen.“
Das US-Außenministerium erklärte in der vergangenen Woche, für
die Aufräumarbeiten in Falludscha würden knapp 90 Millionen
Dollar (70 Millionen Euro) bereitgestellt, darunter für die
Verbesserung der Stromversorgung, die Reparatur von
Wasseraufbereitungsanlagen und Straßen sowie den Bau von Häusern.
Die irakische Regierung bereite Projekte für weitere 50 Millionen
Dollar vor, sagte Außenamtssprecher Richard Boucher. Dies seien
jedoch vorläufige Zahlen, zunächst müssten die Schäden an Ort
und Stelle festgestellt werden.
Es gibt viel zu reparieren. Der Konvoi der Pioniere passiert einen
verwüsteten Marktplatz mit verbrannten Holzbuden. In der Nähe
einer verlassenen Stellung Aufständischer verrotten Gemüsereste.
In einem Vergnügungspark sind die Karussells zerstört.
An der Hauptgeschäftsstraße stehen ausgebrannte Autowracks vor
zersplitterten Schaufensterfronten, die Auslagen stürzten auf die
Straße. Andere Läden scheinen weniger stark beschädigt. Ein
Bulldozer der US-Armee schaufelt Trümmer von der Straße.
Ein großes, mit roter Farbe gesprühtes „X“ markiert Gebäude,
die von Soldaten bereits nach Waffen und Aufständischen
durchsucht wurden. Zum Übernachten quartieren sich die Soldaten
in verlassenen Häusern ein. Sie schlafen auf Matten, die sie dort
vorfinden, und decken sich mit Polyesterdecken zu. „Dieses Zeug
gibt es in allen Häusern“, sagt der Hauptgefreite Freddy
Ramosavilla.
„Sie müssen ihre Gäste wie Könige behandeln.“ Häufig
achten die Soldaten darauf, das Schlafzeug fein säuberlich zurückzulegen
und die Reste ihrer Essensrationen zu verbrennen. Latrinen graben
sie in den Höfen. Die Dächer, von denen sie nach Aufständischen
Ausschau hielten, ähneln häufig großen Aschenbechern.
(Ed Harris/AP)