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Artikel aus hh-online

US-Aussenpolitik: Sprengkraft ethnischer Konflikte nutzen

 

"divide et impera" durch Ethnisierung
Bei der Sondierung tragfähiger Optionen gegen den Iran erklärte der Berater des National Security Council Edward Luttwak, das erfolgreichste Mittel widerständige Gegner in die Knie zu zwingen, sei es, ethnische Auseinandersetzungen zu schüren und auszubeuten. Nachdem dies bereits gegenüber der Sowjetunion und auf dem Balkan gegenüber Jugoslawien zum Erfolg führte, sei nicht einzusehen, dass dem Iran nicht auch so beizukommen sei.
Ansatzpunkt für die amerikanischen Bemühungen die politische Einheit im Iran aufzubrechen sind dabei verschiedene Ethnien: im Westen bieten sich hier insbesondere die Kurden an, mit denen das US-Militär ohnehin eng kooperiert.



Im Nordwesten befindet sich das Siedlungsgebiet der Azeris, die nördlich des Kaukasus aus der ehemaligen Sowjetrepublik mit Azerbeidschan einen eigenen Staat etablierten. Die Karten azerbeidschanischer Schulbücher zeigen keine Grenze zum Iran, sondern bezeichnen Täbris, das auf iranischem Boden liegt, als südliche Hauptstadt Azerbeidschans. Azerbeidschan kooperiert ebenfalls eng mit den USA. Hochrangige US-Politiker, wie unter anderem Dick Cheney, waren oder sind Mitglieder der Handelskammer von Azerbeidschan, das, wie die arabischen Nachbarstaaten im Süden, über umfangreiche Ölvorkommen verfügt.

Der südwestliche Teil des Irans an der irakischen Grenze und am persischen Golf, die Provinz Khuzistan, in dem sich der überwiegende Teil der iranischen Erdölressourcen findet, wird von schiitischen Arabern bewohnt. Ob die Bemühungen, einen Gegensatz zwischen ihnen und den iranischen Schiiten herzustellen und zu verschärfen zum Erfolg führt, bleibt abzuwarten. Bisher kann dies nicht festgestellt werden.


Im Osten wiederum bietet es sich an in Belutschistan den Hebel anzusetzen. Auch hier sind offenbar bereits amerikanische Spezialeinheiten im Einsatz, um Rebellen zu organisieren und zu unterstützen.
Nach der bereits bekannten Karte des US-Colonels Ralph Peters soll Belutschistan ebenfalls ein unabhängiger Staat werden und damit die Möglichkeit bieten, eine Pipelinetrasse für Erdöl aus Kasachstan, wo der amerikanische Ölkonzern Chevron aktiv ist, an den indischen Ozean zu führen.
Pakistan gilt als vergleichsweise unsicherer Kantonist: zwar hat Präsident Musharraf bisher überwiegend US-freundliche Aussenpolitik betrieben, steht deshalb aber unter heftiger Kritik der Bevölkerung und großer Teile des Militärs. Ausserdem liess er sich herbei, das Projekt der iranisch-indischen Pipeline über pakistanischen Boden abzusegnen und also zuzulassen, das aus amerikanischer Sicht als höchst unerfreulich gilt: eine amerikanische Beteiligung und also Kontrollmöglichkeit über diese Pipeline ist nicht vorgesehen.


Karte von Ralph Peters aus dem "Armed Forces Journal" der US-Armee


Ein freies Belutschistan, wie es die bereits in NATO-Kreisen kursierende Karte vorsieht, könnte die - für die US-Aussenpolitik - bestehenden Unliebsamkeiten beenden: die in den letzten Jahren starke Tendenz besonders der asiatischen Staaten zur regionalen Integration und Kooperation, die den USA die Kontroll- und Interventionsmöglichkeiten entziehen, ihren Einfluss und ihre Märkte in der Region zurück drängen könnte, wäre unterbunden, wenn es gelingt, mit amerikanischer Hilfe einen solchen freien Belutschenstaat zu etablieren.
Die sich anbahnende lokale Zusammenarbeit zwischen dem Iran, Pakistan, Indien aber auch China könnte dadurch gestoppt werden, so dass diese Staaten als Kunden amerikanischer Ölkonzerne oder in der Abhängigkeit der nuklearen Zusammenarbeit mit den USA, die Indien im vergangenen Jahr eingegangen war, erhalten blieben.

Die Aufspaltung der bestehenden Staaten durch das Schüren von Spannungen zwischen den Volksgruppen gilt auch in anderen Staaten, wie dem Irak und Libanon als Mittel der Wahl.
Nach den Recherchen Seymour Hersh's verfolgt US-Vizepräsident Cheney zusammen mit dem saudischen Prinzen Bandar die Unterstützung von radikalen sunnitischen Islamisten - wie vorher bereits der Al Qaida - um die Spannungen gegenüber den Schiiten zu verschärfen. So wurden offenbar salafistische Terrorgruppen unterstützt durch finanzielle Mittel und Toleranz etwa von seiten der US-freundlichen Regierung des Libanon unter Ministerpräsident Siniora.
Auch die Terroristengruppen, die regelmässig im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Indien für Spannungen sorgen werden nach entsprechenden Hinweisen aus denselben Quellen unterstützt, die bereits im Rahmen der langjährigen Zusammenarbeit der CIA mit Osama Bin Laden und dem pakistanischen Geheimdienst umfangreiche Nutzung erfuhren.


http://www.iz3w.org/iz3w/Ausgaben/238/LP_s04.html
http://www.steinbergrecherche.com/geburtswehen.htm
http://www.steinbergrecherche.com/iran_ethnic_map.jpg
http://www.steinbergrecherche.com/geburt8.jpg