Der Krieg der USA gegen den Irak hat längst begonnen. Das Pentagon hat schon vor Monaten seine ersten Krieger in Stellung gebracht, die aus allen Rohren feuern. Ihre Munition: W-Waffen, also Wörter, Propaganda. Ihre Generäle: große Public Relations-Agenturen aus den USA. Ihr Schlachtplan: die Weltöffentlichkeit gegen Saddam Hussein aufzubringen, um den Weg für einen Krieg freizumachen.
Meinungsmache
gegen Geld
Kaum eine politische Auseinandersetzung, keine Invasion und keinen Krieg mehr,
der nicht von PR-Agenturen begleitet oder eingeleitet wird. Wie bereits beim
ersten Golf-Krieg oder den Balkan-Kriegen gehen den Soldaten erst einmal die Männer
im feinen Zwirn und Aktenkoffer voraus. Sie sind Söldner des Wortes, die sich für
den jeweiligen Auftrag mieten lassen. Gegen viel Geld krempeln sie die Meinung
von ganzen Völkern um, bringen sie gegeneinander auf - und alles im Dienst
ihrer Herren, also meist Politiker.
Kennen weder Freund noch Feind
Die Namen dieser Polit-PR-Giganten haben inzwischen einen genauso zweifelhaften
Klang wie der ihrer Kunden: The Rendon Group (TRC), Hill & Knowlton und
Ruder-Finn. Ihre Klienten: Neben seriösen Unternehmen werden sie auch von gefährlichen
Sekten, Diktatoren, Waffenhändlern, Geldwäschern und Regierungsapparaten wie
dem Pentagon, der CIA und dem Weisse Haus geheuert. Dabei kennen die Agenturen
weder Freund noch Feind oder Gut und Böse. Für sie zählt einzig und allein
der lukrative Auftrag - der erfolgreich erledigte Auftrag.
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Der Irak-Konflikt - Elf
Fragen, elf Antworten
"Ich bin ein Informationskrieger"
"Ich bin ein Informationskrieger" brüstete sich John W. Rendon, Chef
der amerikanischen Public Relations Agentur "The Rendon Group" (TRC).
Seine Agentur wurde noch im Oktober 2001, also bereits einen Monat nach dem
Anschlag auf das World Trade Center, vom Pentagon angeheuert, um die USA in der
muslimischen Welt sympathischer darzustellen, damit der "Krieg gegen den
Terror" im Nahen Osten leichter von der Hand geht.
PR-Berater sollte Sturz Saddams vorbereiten
Rendon, früher Wahlkampfberater von US-Präsident Jimmy Carter, hat Erfahrung
im globalen Informationskrieg. So bereitete er die US-amerikanischen Invasion in
Panama gegen den einstigen USA-Freund General Noriega durch geschickte Unterstützung
der Opposition vor. Rendon war es auch, der von der US-Regierung nach dem ersten
Golfkrieg Geld bekam, um eine Opposition im Irak aufzubauen, die Saddam stürzen
sollte.
Kampagne zum Golfkrieg heftig umstritten
Mit der wachsenden Kriegsgefahr im Nahen Osten rücken nun auch wieder die
Propaganda-Söldner ins Rampenlicht. Inzwischen müssen allerdings die drei Großen
im politischen PR-Business selbst stark aufpassen, dass sie nicht zu sehr unter
Beschuss geraten: The Rendon Group, Hill & Knowlton und Ruder-Finn sehen
sich zunehmend dem lautstarken Vorwurf des unethischen Verhaltens ausgesetzt.
Aus gutem Grund: Eine der berüchtigsten, teuersten und wohl auch einflußreichsten
Kampagnen stammt von der internationalen PR-Firma Hill & Knowlton mit
Stammsitz New York. Nach der Besetzung von Kuwait durch den Irak bezahlten
reiche Kuwaitis über eine Frontgruppe "Citizens for a Free Kuwait"
10,8 Millionen Dollar, um eine Kampagne gegen den Irak und für eine allierte
Militärintervention loszutreten. Mit H&K trafen die Kuwaitis eine gute
Wahl.
Berichte über irakische Grausamkeiten
Die PR-Strategen kreierten Nayirah, ein 15jähriges kuwaitische Mädchen, das in
einem Krankenhaus in Kuwait City gearbeitet haben soll. Mit stockender Stimme
berichtete sie vor laufender Kamera, wie irakische Soldaten Babys aus den Brutkästen
rissen, die Inkubatoren mitnahmen und die Säuglinge auf dem kalten Klinikboden
sterben ließen. Die Welt war entsetzt über so viel Grausamkeit der Iraker. Die
Medien liefen heiß und Politiker empörten sich. US-Präsident Bush zitierte
die Aussage das Mädchens. Die Delegierten der Uno schüttelten den Kopf und
stimmten für einen Krieg gegen den Irak, der letztendlich mehr als 100.000
Menschen das Leben kostete.
Aussage war schlicht erfunden
Erst später stellte sich heraus, daß die Aussage von Nayirah nichts anderes
als eine blanke Lüge war. Hinzu kam noch, daß die angeblichen
Krankenhauspraktikantin die Tochter von Scheich Saud Nasir al-Sabah war, dem
ehemaligen kuwaitschen Botschafter in den USA. Die verspäteten Versuche der
Medien, mit dem Mädchen zu sprechen, um ihre Aussage zu verifizieren, verliefen
im Sand der kuwaitischen Wüst
Imagepolitur für umstrittene Regime
So hatte die PR-Agentur Hill & Knowlton schon am ersten Tag des allierten
Luftkrieges gegen den Irak ihren Sieg eingefahren. Dass die Firma nur wenig
Skrupel kennt, zeigt alleine die Liste ihrer "Kunden": Für
Menschenrechtsverletzungen berüchtigte Staaten wie China, Peru, die Türkei und
Indonesien bezahlten gutes Geld, um ihr blutiges Image aufzupolieren. Alleine
die Türkei bezahlte für die Dienste von H&K in der Zeit zwischen November
1990 und Mai 1992 insgesamt 1,2 Millionen Dollar.
Diktatoren und Waffenhändler als Kunden
Auch der blutrünstige, haitianischen Diktator Duvalier engagierte H&K um
sein Schlächter-Image aufzuhübschen. Craig Fuller von H&K - einst
Stabschef des damaligen Vizepräsidenten George Bush - zimmerte Kampagnen für
den Vatikan zusammen, der sich gegen Abtreibungen wehrte und gestaltete
Image-Kampagnen für die Moon-Sekte und die Scientologen. Die berüchtige BCCI
Bank in London, die 32 Millionen Dollar Drogengelder des Medellinkartells
gewaschen hatte, steht genauso auf der H&K-Kundenliste, wie Waffenhändler
Adnan Kashoggi und das Internationale Olympische Kommittee (IOC), das sein Image
als internationale Vereinigung von korrupten und raffgierigen Sportfunktionären
aufpolieren wollte. Daß H&K dabei auch noch beste Kontakte zur CIA
nachgesagt werden, ist vor dem Hintergrund ihrer illustren Kundschaft vielleicht
gerade mal als Dreingabe zu verstehen.
"Rolle in der Weltgeschichte"
Jack O'Dwyer, Herausgeber des PR-Branchenblattes "O'Dwyer's PR
Services": "Hill & Knowlton ... haben eine Rolle in der
Weltgeschichte eingenommen, wie es bisher noch keine andere PR-Firma geschafft
hat."
Krieg vor dem Krieg gewonnen
Ähnlich hartleibig verhielt sich auch die Konkurrenzagentur Ruder-Finn, die übrigens
für Volkswagen den neuen "Beetle" in den USA bekannt gemacht hat. Als
vor einigen Jahren die ersten Nato-Raketen in Jugoslawien einschlugen, konnte
sich James Harff befriedigt in seinen Sessel zurücklehnen, denn der Amerikaner
hatte an diesem Tag geschafft, was die Nato erst noch bewerkstelligen musste: Er
hat den Krieg gegen die Serben gewonnen, einen Krieg, der mindestens so hinterhältig
und schmutzig war, wie das Gemetzel auf dem Balkan.
Kosovo-Albaner heuerten PR-Agentur an
James Harff war damals Direktor der in Washington ansässigen
Public-Relations-Firma Ruder-Finn Global Public Affairs. Seine Auftraggeber, die
oppositionellen Kosovo-Albaner, hatten die Firma geheuert, um die westlichen
Militärmächte für ihre Sache zu gewinnen. Harff hatte seine Sache gut
gemacht. Über Monate hinweg hatte seine PR-Agentur in Bild und Wort versucht,
die Serben als die Nazis vom Balkan zu brandmarken.
"Das war ein unglaublicher Coup"
Zeugenaussagen vergewaltigter Frauen, professionell gedrehte Bilder von
serbischen Konzentrationslagern und Massengräbern lösten bei den einflußreichen
jüdischen Organisationen in den USA schmerzhafte Erinnerungen an das Dritte
Reich aus. "Das war ein unglaublicher Coup", soll Harff triumphiert
haben. "Als die jüdischen Organisationen dem Spiel auf Seiten der
bosnischen Moslems beitraten, konnten wir ganz leicht die Serben in der öffentlichen
Meinung mit den Nazis gleichstellen."
Öffentlichkeit durch PR weichgeklopft
Jahrelang zögerte der Westen, allen voran die Amerikaner, militärisch ins
Geschehen auf dem Balkan einzugreifen. Bis dann die Öffentlichkeit durch die
Arbeit der PR-Agenturen weichgeklopft und bereit war "ihre Jungs" ins
Feld zu schicken.
Kroaten zahlten, Bosnier zahlten
Die Kroaten waren die ersten, die eine PR-Firma (Ruder-Finn) für ihren Fall
bezahlten. Es folgten die Bosnier und dann auch bald die Kosovo-Albaner. Während
Kroatien laut Dokumenten, die dem amerikanischen Justizministerium vorliegen,
Ruder-Finn 10.000 Dollar pro Monat für ein "positives kroatisches
Image" bezahlte, wurde die Firma von den Bosniern pro Stunde bezahlt.
"Propaganda im Namen von Menschlichkeit"
John MacArthur, Autor des weitgeachteten Buches "The Second Front"
(Deutscher Titel: "Die Schlacht der Lügen"), in dem er über die
Desinformationspolitik der US-Regierung während des Golfkrieges schrieb:
"Es ist einfach abstoßend, was diese PR-Firmen da für Geld tun. Sie
kennen keine Skrupel. Propaganda war einmal wesentlich gröber. Was heute so beängstigend
daran ist, ist die Tatsache, daß Propaganda nun im Namen von Menschenrechten
und Menschlichkeit auftritt."
Nur "geholfen, die Message zu formulieren"
James Harff von Ruder-Finn: "Um die UN davon zu überzeugen, entsprechende
Maßnahmen zu ergreifen ist das (die PR-Tätigkeit) genauso wichtig, wie das was
auf dem Schlachtfeld passiert." Und, in Hinsicht auf seine Kosovo-Kunden:
"Wir haben ihnen geholfen, ihre Message zu formulieren, so daß die
amerikanische Öffentlichkeit sich damit identifizieren konnte."
"Über unausgewogene Berichterstattung
besorgt"
Die Serben, die ebenfalls ihr schlechtes Image loswerden wollten, zogen 1993
durch Kanada, um eine PR-irma zu finden, die ihre Interessen vertreten sollte.
Tatsächlich fanden sie eine Fima in London, Ian Greer Associates, die
allerdings die Arbeit für die serbischen Pariahs einstellen musste, nachdem die
UN-Sanktionen gegen Jugoslawien wirksam wurden. Ann Pettifor, die bei Ian Greer
Associates die Serben betreute: "Sie waren über die unausgewogene
Berichterstattung besorgt."
CNN: Davon wissen wir nichts
TV-Journalisten immer unter Konkurrenzdruck und damit auf stark auf aktuelle
Bilder angewiesen, tappen immer öfter in die Fallen der PR-Agenturen. Von im
Balkankrieg mitmischenden PR-Agenturen allerdings will der CNN-Europe-Mann Chris
Cramer nichts wissen. "Das ist mir neu. Davon habe ich noch nie gehört.
Aber lassen Sie uns doch nicht naiv sein. Wir wissen, daß in einer solchen
Situation immer beide Seiten versuchen, die Medien zu benutzen. Wir müssen da
aufpassen. Wenn tatsächlich PR-Agenturen mitmischen, dann ist das höchst
alarmierend."
Im Vergleich zu den offiziellen Medien nur Zwerge
Buchautor John MacArthur, inzwischen Herausgeber des amerikanischen
Intellektuellen-Magazins "Harper's": "Man kann nicht nur den
PR-Agenturen die Schuld geben. Ohne hilfsbereite Medien hätten die doch gar
keinen Einfluss. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, daß die größte
aller PR-Agenturen das Weiße Haus ist. Verglichen mit deren PR-Maschinerie
stehen doch alle anderen Agenturen wie Zwerge da."