Deutschland wäre wichtige Militärbasis bei Irak-Krieg
Von Jörg Schallenberg (t-online vom
5.12.02)
Amerika rüstet auf. Auch
auf der A 9. Wer in jüngster Zeit im Süden Deutschlands auf den Autobahnen
unterwegs war, musste sich oft kurz hintereinander gleich an mehreren Kolonnen
amerikanischer Militärfahrzeuge vorbeischlängeln. Es herrscht reger Betrieb
zwischen den zahlreichen US-Militärbasen dieser Region - was nicht unbedingt
verwundert. Rund 71.000 GIs sind hier stationiert, mehr als irgendwo anders auf
der Welt außerhalb der USA.
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in Deutschland
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Irak
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Drehscheibe für Nachschub
Falls es in absehbarer Zeit zu einem Krieg gegen den Irak kommt, dann wird
Deutschland logistische Basis und wichtigste Drehscheibe vor allem für den
Nachschub von Soldaten und Material sein, genauso wie im Kosovo-Krieg und beim
Angriff auf Afghanistan. Auch die bisherigen Luftangriffe gegen den Irak sind
von hier koordiniert worden - denn die Fäden für die Überwachung der
Flugverbotszonen über dem Irak laufen hier im "US European Command"
nahe Stuttgart zusammen.
Schröder-Stoiber-Streit
war eine Farce
Während hier zu Lande also seit Monaten scheinbar heftig über eine deutsche
Beteiligung an einem möglichen Krieg gegen den Irak gestritten wird, ist
Deutschland bereits mittendrin in den Vorbereitungen. Tatsächlich hat es sich
bei der vorgeblich harten Haltung von Bundeskanzler Gerhard Schröder gegenüber
den USA - die CSU-Chef Edmund Stoiber jüngst noch als wahlentscheidend
bezeichnete - nie um eine Ablehnung jeglicher passiver und aktiver Mithilfe
gehandelt, sondern lediglich um eine Einschränkung in der Frage, wie aktiv sich
Deutschland an einem Militärschlag beteiligen würde.
Überflugrechte
für Militärjets
So verblüffte dann auch vor wenigen Tagen die Aussage von
Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die befand: "Die
Gewährung von Überflugrechten für amerikanische Militärjets hat mit einer
Beteiligung Deutschlands nicht das Geringste zu tun." Tatsächlich wäre
genau diese Verweigerung das möglicherweise einzige Mittel, um sich aus einem
Konflikt heraus zu halten. So verweist Klaus-Dieter Schwarz, Verteidigungs- und
USA-Experte der Berliner "Stiftung Wissenschaft und Politik" darauf,
dass Deutschland den USA bereits zweimal eben diese Überflugrechte verweigerte,
beim israelisch-arabischen Jom-Kippur-Krieg im Jahre 1973 und bei der
Bombardierung der libyschen Hauptstadt Tripolis durch US-Piloten 1986.
Anti-Kriegs-Kurs gab es nie
Insofern laufen die Vorwürfe der Opposition ins Leere, dass sich die Regierung
nun mit der Gewährung der Überflugrechte und der Lieferung von Raketen oder
Panzern an Israel und möglicherweise auch an die USA von ihrem Anti-Kriegs-Kurs
verabschiede. Denn einen solchen Kurs gab es nie. Dass Gerhard Schröder in der
vergangenen Woche den Amerikanern auch den Transit von Truppen durch Deutschland
sowie den verstärkten Schutz ihrer Einrichtungen zusagte, war nicht mehr als
eine formelle Bestätigung einer bestehenden Tatsache, die niemand je ernsthaft
bezweifelt hatte.
Rückkehr
zur Scheckbuch-Diplomatie
Letztlich hat Schröder immer nur eine unmittelbare Beteiligung Deutschlands an
einem US-Angriff gegen den Irak mittels Soldaten oder Material abgelehnt. Selbst
das steht angesichts der in Kuwait stationierten deutschen ABC-Spürpanzer
allerdings in Frage - nur, auch das hätte bereits vor der Wahl auffallen können,
aber da blieb für inhaltliche Fragen ja keine Zeit. Tatsächlich überdeckt die
Scheindiskussion um eine deutsche Kriegsbeteiligung nun die eigentlich verblüffende
Rückkehr zur Scheckbuch-Diplomatie der Ära Kohl, die man längst überwunden
glaubte. Fortsetzung...
Deutschland wäre wichtige Militärbasis bei Irak-Krieg
Einiges erinnert in diesen Tagen an den ersten Angriff
der USA auf den Irak im Januar 1991, als sich die deutsche Politik darauf beschränkte,
den Aufmarsch von George Bush Senior mit ein paar Milliarden Mark zu unterstützen,
sich aber ansonsten heraus zu halten. Was damals etwa in England als Drückebergerei
galt, resultiert heute aber nicht zuletzt aus der Haltung der USA, einen Militärschlag
wie gegen den Irak im Zweifelsfalle auch allein durchzuführen.
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Rollenverteilung im Afganistan-Krieg
Das haben laut Johannes Varwick, Spezialist für Bündnis- und
Sicherheitspolitik von der Bundeswehr-Universität Hamburg, bereits die Einsätze
im Kosovo und in Afghanistan gezeigt: "Da haben die Amerikaner schon sehr
deutlich gemacht, dass sie zumindest in sicherheitspolitischen und in militärischen
Fragen keine Rücksicht auf ihre Partner nehmen und ihnen kaum Mitsprachrecht
einräumen. Der Krieg in Afghanistan lief in den USA nach dem Motto "we
call you if we need you" - wenn wir Euch brauchen, dann rufen wir
Euch." Die Rolle der Bündnispartner war in dieser Strategie auch in einem
anderen Punkt festgelegt. Varwick: "Es war in Afghanistan schon so, dass
die Amerikaner gesagt haben, wir machen die Drecksarbeit, also den Krieg, und
ihr kümmert euch dann um den Wiederaufbau und politische Verwaltung. Ich kann
mir vorstellen, dass es im Irak ähnlich laufen wird."
USA für
Finanzierung des Wiederaufbaus nicht zuständig
Angesichts des bekannten Vorgehens muss man Entwicklungshilfeministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul mindestens Naivität und vielleicht auch Heuchelei
vorwerfen, wenn sie nun die Pläne der USA als zynisch attackiert, "gegen
den Irak Krieg führen zu wollen und anderen Staaten die Finanzierung des
Wiederaufbaus zu überlassen". Genau das scheinen aber die USA und die
deutsche Regierung in stillem Einverständnis zu beabsichtigen.
US-Anti-Terror-Einheit in Deutschland
Falls die Deutschen allerdings hoffen, sich mit ihrer halbherzigen Haltung aus
der Schusslinie zu bringen, liegen sie falsch. Denn im Kampf gegen den
internationalen Terrorismus gelten sie allen Seiten ohnehin als zuverlässiger
Verbündeter der USA. Nach den jüngsten Tonbandbotschaften von Osama Bin Laden
sieht etwa der Terrorismus-Experte Rolf Tophoven Deutschland schon deshalb im
Fadenkreuz der Qaida, "weil wir in Grafenwöhr östlich von Nürnberg die
größte US-Basis außerhalb der USA haben". Die soll jetzt übrigens noch
ausgebaut werden, weil neben anderen dort eine Eliteeinheit zur Bekämpfung des
Terrorismus stationiert werden soll. Unweit der A 9.