Washington beschuldigt die deutsche Regierung
Nach den "Stern"-Recherchen hatte der deutsche Verfassungsschutz die
CIA darüber informiert, dass einer der späteren Todespiloten Kontakt zum
Terrornetzwerk El Kaida unterhielt. Der Untersuchungsausschuss in Washington
hatte in seinem Bericht noch den Deutschen die Schuld in die Schuhe geschoben.
Islamische Fundamentalisten seien nur eingeschränkt beobachtet worden. Die
deutsche Regierung habe "islamische Gruppen nicht als Bedrohung empfunden
und war unwillig, relevante Ressourcen auf das Ziel anzusetzen."
Verfassungsschutz hatte CIA informiert
Die "Stern"-Autoren räumen mit diesem Urteil auf: Der
Verfassungsschutz habe Marwan Al Shehhi observiert, der später eine Boeing in
den Südturm des World Trade Centers flog. Die Deutschen hätten der CIA seinen
Namen, seine Nationalität und seine Handy-Nummer genannt und darauf
hingewiesen, dass er engen Kontakt zu dem in Hamburg lebenden Haydar Zammar
hatte. Zammar sei der CIA seit 1993 als Drahtzieher der El Kaida in Deutschland
bekannt gewesen.
Der Fehler: CIA gab Informationen nicht an FBI weiter
Die CIA habe es aber versäumt, diese Informationen an das FBI weiterzugeben -
so konnte Al Shehhi am 30. Mai 2000 in die USA einreisen und in Florida eine
Pilotenausbildung absolvieren, heißt es in dem Film, der am Donnerstag um 23
Uhr in der ARD zu sehen ist. Das Bundesamt für Verfassungsschutz habe Zammar überwacht
und sein Telefon abgehört. Als sich im Januar 1999 ein "Marwan" bei
Zammar gemeldet habe, hätten die Verfassungsschützer ihre Ermittlungen
ausgedehnt. Bereits zwei Monate später hätten sie sämtliche Informationen an
die CIA weitergegeben.