USA halten Blix-Programm für unrealistisch
Für die USA hingegen hat das von Blix noch in der Sitzung vorgelegte
Arbeitsprogramm für eine friedliche Entwaffnung des Iraks "keinen Bezug
zur Realität mehr". Unter den derzeitigen Umständen komme eine friedliche
Abrüstung des Iraks nicht mehr in Betracht, sagte der amerikanische
UN-Botschafter John Negroponte. US-Außenminister Colin Powell und sein
britischer Kollege Jack Straw blieben der Konferenz fern.
Powell und Straw blieben fern
An der Sitzung nahmen unter anderen Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne),
sein französischer Kollege Dominique de Villepin und der russische Chefdiplomat
Igor Iwanow teil.
Fischer und de Villepin verurteilen Kriegspläne
Deutschland und Frankreich verurteilten den drohenden amerikanischen Angriff. In
der UN-Charta gebe es keine Basis für einen Regimewechsel mit militärischen
Mitteln, sagte Außenminister Joschka Fischer. Demonstrativ verwiesen Fischer
und sein französischer Amtskollege Dominique de Villepin auf die zentrale Rolle
des Sicherheitsrats für Frieden und Stabilität in der Welt.
"Sicherheitsrat darf nicht schweigen"
Für die Lösung der Irak-Frage seien die UN unersetzlich, sagte Fischer. Jedoch
hätten die Entwicklungen der letzten Stunden die internationale Lage
grundlegend verändert und die Arbeit der Vereinten Nationen zum Erliegen
gebracht. Der Sicherheitsrat dürfe in dieser Situation nicht schweigen.
Deutschland sei weiter davon überzeugt, dass der Irak friedlich entwaffnet
werden könne und bleibe deshalb bei der Ablehnung eines Krieges.
De Villepin: UN soll Wiederaufbau leiten
Frankreich besteht darauf, dass die Vereinten Nationen nach einem Irak-Kriege
den Wiederaufbau des Landes leiten müssen. "Kein Land kann allein die
Zukunft des Iraks bestimmen", sagte der französische Außenminister.
"Nur die Vereinten Nationen haben die rechtliche und moralische Autorität
für dieses Unterfangen."
"Ein trauriger Tag für die UN"
Resigniert äußerte sich auch UN-Generalsekretär Kofi Annan: "Wir müssen
alle das Gefühl haben, dass dies ein trauriger Tag für die Vereinten Nationen
und die internationale Gemeinschaft ist", sagte Annan vor dem Gremium.
"Ich weiß, dass viele Menschen rund um den Globus dieses Gefühl der Enttäuschung
teilen und von der Aussicht auf einen bevorstehenden Krieg zutiefst alarmiert
sind."
Geld für humanitäre Hilfe fehlt
Die internationale Gemeinschaft und die UNO müssten "alles tun, um die
bevorstehende Katastrophe zu lindern", forderte der UN-Generalsekretär. Es
bestehe die Gefahr von Epidemien und Hungersnot in Irak. "Kurzfristig kann
der Krieg, dessen Beginn nun klar bevorsteht, die Dinge nur schlimmer machen,
viel schlimmer womöglich." Annan beklagte, dass die UNO von den
angeforderten 123,5 Millionen Dollar für die humanitäre Irak-Hilfe bislang nur
34 Millionen erhalten habe. Weitere elf Millionen Dollar seien fest zugesagt.