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12.11.2003
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| Ausland |
| Stefan Tenner, Belgrad |
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| Sam gegen Fritz |
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| Amerikanisch-deutscher Machtkampf um Aufkauf des größten
serbischen Stahlwerkes in Smederevo |
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Hermes-Bürgschaften für deutsche Investoren, mahnende Worte
an die serbische Regierung und dazu ein paar Kredite für die marode
Infrastruktur. Als großer Gönner kam Bundeskanzler Schröder in der
vergangenen Woche nach Belgrad. Denn wer in Serbien investieren will,
brauche bessere Bedingungen, so seine Botschaft.
Dabei sitzt wohl der »Fall SARTID« der deutschen Politik- und Finanzwelt
noch in den Knochen. In diesem Frühjahr entschied SARTID sich entgegen
gemachter Versprechen, das größte Eisenhüttenwerk Ex-Jugoslawiens an
den amerikanischen Stahlgiganten U.S. Steel zu verkaufen. Bereits 1997
hatte ein Konsortium von sieben europäischen Banken aus Italien,
Deutschland, Österreich und Großbritannien 100 Millionen Dollar
bereitgestellt. Damit sollten zunächst die riesigen Schuldenberge (1,7
Milliarden Dollar) des Werkes abgebaut werden. Auch nach dem politischen
Wechsel vor drei Jahren, bekräftigte die neue serbische Regierung diesen
Kurs. Sie brach dann jedoch den Kontakt zu den europäischen Banken überraschend
ab und schwenkte im Frühjahr 2002 endgültig um.
Unter Vermittlung der Djindjic-Regierung und des US-Botschafters in
Belgrad, William Montgomery, wurde am 8. März 2002 eine strategische
Partnerschaft zwischen SARTID und der U. S. Steel-Tochterfirma im
slowakischen Kosice vereinbart. Mögliche Mitbewerber, wie die deutsche
ThyssenKrupp oder die bereits geflossenen 100 Millionen Dollar waren dabei
kein Thema, und man verbat sich jegliche Konkurrenz. »Wir wären nicht
erfreut, wenn jemand einfach dazwischenspringen würde«, meinte John
Goodish, Chef von U. S. Steel Kosice. Ein Konkursverfahren für SARTID
wurde schließlich Ende Juli 2002 eröffnet.
Doch es regte sich Protest aus Deutschland. Nach Informationen der
Belgrader Wochenzeitschrift NIN schrieb im Dezember 2002
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement einen Protestbrief an Djindjic. Die
Antwort dürfte ihn kaum befriedigt haben. Denn Kabinettschef Nemanja
Kolesar, laut NIN selbst maßgeblich am Verkauf von SARTID beteiligt,
verwies kurioserweise auf die Unabhängigkeit der serbischen Regierung und
die Zuständigkeit des Gerichts in dieser Angelegenheit. Es tat sich
nichts, und im März diesen Jahres, kurz nach der Ermordung von Djindjic,
verschickte das Bankenkonsortium Briefe an den neuen Premier Zoran
Zivkovic, die SARTID-Konkursverwaltung, das Handelsgericht in Belgrad, die
Parlamentspräsidentin und mehrere Minister, um an den »Fall SARTID« zu
erinnern. Doch eine Antwort blieb aus, statt dessen wurde Ende März 2003
ein Wirtschaft- und Technikvertrag zwischen U.S. Steel und SARTID
abgeschlossen und machte die Übernahme perfekt. Im April klagte dagegen
die am Bankenkonsortium beteiligte Austria Bank vor dem Hohen
Handelsgericht in Belgrad, wurde von diesem jedoch wegen Nichtzuständigkeit
abgewiesen. Bis Mitte November muß nun ein serbischer Staatsanwalt klären,
ob alle juristischen Möglichkeiten in Serbien ausgeschöpft sind. Im Juni
hatte Kurt Leonberger, der deutsche Botschafter in Belgrad, den Verkauf
scharf kritisiert und ein Verfahren von betroffenen deutschen, österreichischen
und italienischen Firmen vor dem Internationalen Schiedsgericht in Wien
angekündigt. Der serbische Minister für Wirtschaft und Privatisierung
wies alle Vorwürfe zurück und erinnerte an die Möglichkeit, zwischen
einer Ausschreibung und direkten Verhandlungen laut Gesetz zu wählen. Für
ihn sei der Fall abgeschlossen.
Das gerade Deutschland dabei so großes Interesse zeigt, ist nicht
verwunderlich. Die BRD ist mit ca. zwölf Prozent größter Handelspartner
Serbiens und exportiert dorthin mittlerweile genausoviel wie nach Rußland.
Wegen der traditionell wirtschaftlichen Verbundenheit mit dem ehemaligen
Jugoslawien wird besonders im Maschinenbau Potential ausgemacht. Auf bis
zu 70 Prozent aller Maschinen, die in so mancher zum Verkauf angebotenen
Fabrik stehen, prangt das Schild: »Made in Germany«.
Viele Fragen bleiben offen, die die Rolle der Gewerkschaften, aber vor
allem die serbische Regierung betreffen. U.S. Steel erhielt erstaunlich günstige
Konditionen. Die Fabrik wurde für lediglich 23 Millionen Dollar verkauft.
Das entspricht gerade einmal der Investitionssumme beim Bau der Fabrik. U.
S. Steel erhielt zudem ein siebenjähriges Exklusivrecht, kein anderes
Unternehmen kann sich für diesen Zeitraum in die Fabrik einkaufen. Den
Arbeitern sind jegliche Forderungen, so. z. B. nach höherem Lohn, der
derzeit zehn Prozent unter dem Landesdurchschnitt liegt, verboten. Zudem
ist die Fabrikleitung für eventuelle Verluste nicht verantwortlich. Die
Gewerkschaften gaben an, nicht über diese Verträge informiert gewesen zu
sein. Der seit zwei Wochen währende Generalstreik der 1000 Arbeiter mit
der Forderung nach mehr Lohn hat bisher zu keiner Einigung geführt.
Die USA sind jedenfalls dankbar und heben wie zufällig nach dem
erfolgreichen Vertragsabschluß die elf Jahre geltenden Sanktionen und
Exportbeschränkungen nach Serbien und Montenegro auf. Das komme vor allem
der Metallindustrie zugute, hieß es dazu aus Belgrad. |
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