Der Kriegseinsatz deutscher Soldaten in aller Welt sorgt endlich mal für
Aufregung. Die Gemüter erhitzt aber nicht das Blutvergießen für
Deutschlands ökonomische und geostrategische Interessen, sondern die
Dreistigkeit einiger Pazifisten, die Perversion des Krieges satirisch
ins Bewußtsein zu rücken. Wie junge Welt bereits gestern berichtete,
sehen sich Aktivisten des Berliner Landesverbands der Deutschen
Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK)
Anfeindungen wegen eines von ihnen entworfenen Plakats ausgesetzt. Mit
einem Beitrag von Bild (Donnerstagausgabe) ist der Fall nun sogar zum
bundesweiten Politikum geraten. Neben Verteidigungsminister Franz Josef
Jung (CDU) distanzierten sich auch die Bundestagsfraktion Die Linke
sowie die DFG-VK-Bundesspitze von der Darstellung.
Das Poster zeigt drei Soldaten, die einen Sarg tragen, darunter:
»Schritt zur Abrüstung. Die Bundeswehr auf dem richtigen Weg. Wieder
einer weniger.« Für ihn sei das »ein Schlag ins Gesicht unserer
Soldaten, die ihr Leben für die Freiheit Deutschlands einsetzen«, ließ
Jung aus Afghanistan via Bild verlauten. Der Wehrbeauftragte Reinhold
Robbe (SPD) ereiferte sich über eine »menschenverachtende
Geschmacklosigkeit«. Der Sturm der Entrüstung tobte exakt an dem Tag, an
dem sich Jung bei Afghanistans Präsident Hamid Karsai dafür
entschuldigte, daß Bundeswehrsoldaten zwei afghanische Kinder und eine
Frau von hinten erschossen hatten – »versehentlich«, wie es hieß.
Verantwortlich für das Plakat sind die DFG-VK Berlin-Brandenburg und das
Büro für antimilitaristische Maßnahmen (BamM). Das Bild ist seit fünf
Jahren auf ihrer gemeinsamen Webseite (
bamm.de)
zugänglich. Seine plötzliche Prominenz verdankt es den Spürnasen von
Neonazis, deren Sprachrohr, die Junge Freiheit, zu Wochenanfang darüber
berichtete. Die Bild-Zeitung nahm den Ball auf und knüpfte Verbindungen
zum hessischen Linksfraktionschef Willi van Ooyen, früher einmal
DFG-VK-Geschäftsführer in seinem Bundesland. Der bedauerte jetzt den
»respektlosen Umgang mit dem Leid von Menschen«.
Da Hessens Linke wegen des Posters aber nicht die Zusammenarbeit mit der
DFG-VK aufkündigen will, durfte Roland Koch (CDU) geschäftsführender
Regierungschef des Landes in Bild das Schreckgespenst einer von der
Linken tolerierten SPD-Grünen-Minderheitsregierung auffrischen. Damit
nicht genug: CDU-Generalsekretär Roland Pofalla präsentierte gestern
Ulla Jelpke von der Bundestagsfraktion Die Linke als Mitschuldige, weil
einer ihrer Mitarbeiter die »Haß-Seite im Internet« betreibe.
Der verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag,
Paul Schäfer, empörte sich gestern, mit dem Plakat werde »in zynischer
und menschenverachtender Weise Genugtuung über den Tod von
Bundeswehrsoldaten« geäußert. Ähnlich erbost meldeten sich
DFG-VK-Bundessprecher Monty Schädel und Peter Strutynski vom Kasseler
Friedenratschlag zu Wort.
Eine anonym bleiben wollende Sprecherin der Berliner DFG-VK zeigte sich
im jW-Gespräch enttäuscht über das defensive Verhalten der Bundesspitze.
»Damit hat man die Chance vertan, gegen die Brutalität und
Würdelosigkeit des deutschen Militarismus zu punkten«.