Nach Pressemitteilungen gesteht Frau Osthoff, Opfer einer Entführung im
besetzten Irak, Tätigkeiten für den Bundesnachrichtendienst (BND)
ein.[1] Sie sei wissentlich als "Quelle" benutzt worden und habe
für entsprechende Dienste auch Agentenlohn erhalten, heißt es in
undementierten Berichten. Damit erhält die Entführung der angeblichen
Archäologin den von ihren Entführern vermuteten Hintergrund und straft
nachträglich sämtliche Schutzbehauptungen der Bundesregierung Lügen. In
gutem Glauben an die PR-Mitteilungen des Auswärtigen Amtes hatten sich
islamische Organisationen für die Freilassung der BND-Mitarbeiterin
verwendet, die sie für eine humanitäre Helferin hielten, und sehen sich
nun benutzt.
Die Spionage-Enthüllungen waren nicht zu vermeiden, da es zwischen Frau
Osthoff und den deutschen Dienststellen im Irak zu einem Zerwürfnis
gekommen ist. Wie diplomatische Quellen in Bagdad verbreiten, habe der
zuständige BND-Führungsoffizier, bei dem Frau Osthoff nach eigenem
Bekunden zeitweise nächtigte, in jeder Hinsicht versagt.
german-foreign-policy.com hatte den geheimdienstlichen Hintergrund des
Falles Osthoff bereits unmittelbar nach der Entführung als einziges
deutsches Pressemedium deutlich gemacht [2], aber war wegen dieser
Berichterstattung kritisiert worden. Die Veröffentlichung der politischen
Hintergründe würde den Bemühungen der Bundesregierung um Freilassung
von Frau Osthoff schaden, hieß es in einer Zuschrift, die
german-foreign-policy.com am 8. Dezember seinen Lesern ebenso zur Kenntnis
brachte wie die Antwort der Redaktion.[3]