Die USA denken wegen des Atomstreits mit Nordkorea offenbar über eine Verlegung von Truppenverbänden in die Pazifik-Region nach. Die russische Regierung kritisierte das amerikanische Verhalten daraufhin als Provokation.
Washington/Seoul - Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf US-Militärkreise meldet, könnten Bomber, Kampfflugzeuge oder Kriegsschiffe näher
an die koreanische Halbinsel verlegt werden. Dies solle
Nordkorea vor aggressiven Handlungen während eines Irak-Kriegs
abhalten.
Nordkorea warf den USA daraufhin vor, das kommunistische Land
"militärisch ersticken" zu wollen. Auch Russland kritisierte die
Absichten der USA. Jede Aufstockung der US-Militärpräsenz in der
Region würde eine negative Rolle spielen, erklärte das
Außenministerium in Moskau.
Der Befehlshaber der US-Truppen im Pazifik, Admiral
Thomas Fargo, hatte eine Verstärkung der Truppen gefordert. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld habe die Verlegung von B-52-Bombern, F-16-Kampfflugzeugen oder Kriegsschiffen jedoch noch nicht abschließend genehmigt, verlautete laut Reuters aus den Kreisen. Eine Aufstockung der 37.000 in Südkorea stationierten US-Soldaten sei ausdrücklich nicht vorgesehen. Weder das US-Verteidigungsministerium noch Südkorea nahmen zu den Angaben Stellung.
Das russische Außenministerium warnte davor, dass die
Verstärkung der US-Truppen einer Verhandlungslösung nicht
dienlich wäre und eher eine Reaktion Nordkoreas provozieren
könnte. Es gebe keine Alternative zu einer friedlichen, einer
Verhandlungslösung, hieß es.
Der staatliche nordkoreanische Hörfunk warf den USA vor,
"als Teil ihres Planes, unser Land militärisch zu ersticken",
die US-Streitkräfte in Südkorea und Japan verstärken zu wollen.
Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il besuchte der amtlichen
Nachrichtenagentur KCNA zufolge am Montag eine Einheit der
Marine und lobt die Seeleute für ihre "Bereitschaft, zu
menschlichen Bomben zu werden und die Bereitschaft, sich für
seinen Glauben in die Luft zu sprengen." Diese Seeleute machten Nordkorea unbesiegbar.
Mohammed al-Baradei, Chef der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA), sagte am Montag, vermutlich werde die Nordkorea-Frage an den Uno-Sicherheitsrat
weitergeleitet. "Ich habe die mir zur Verfügung stehenden Mittel
erschöpft, Nordkorea zur Einhaltung seiner internationalen
Verpflichtungen zu zwingen", sagte al-Baradei. Er erwarte, dass
die Vereinten Nationen sich um eine diplomatische Lösung
bemühen würden.
Die USA kündigten unterdessen an, mit Nordkorea direkte
Gespräche über das umstrittene Atomprogramm Pjöngjangs führen zu wollen. "Es ist keine Frage, wir werden direkt mit den Nordkoreanern sprechen müssen", sagte der stellvertretende Außenminister Richard Armitage in Washington. Die USA wollten zuvor aber sicherstellen, dass andere Länder in der Region, wie etwa Russland, Japan
und China, an der Konfliktlösung beteiligt werden.