Mit Luftangriffen auf Machtsymbole der Hamas hat Israel die Lage im
Gaza-Streifen weiter verschärft. Trotz wachsender internationaler Proteste
kündigte die Regierung in Jerusalem eine Fortsetzung der am Samstag
begonnenen Operation "Gegossenes Blei" an und drohte mit einem "Krieg bis
zum bitteren Ende" gegen die islamistische Organisation, die mit Raketen
antwortete. An der Grenze zum Gaza-Streifen zog die Armee Truppen und
Panzer für eine mögliche Bodenoffensive zusammen.
Am dritten Tag der Angriffe wurden Berichten zufolge die Islamische
Universität, das Innenministerium und ein Haus neben der Residenz des
palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija zum Ziel israelischer
Raketen. Auch Schmugglertunnel und mutmaßliche Waffenfabriken wurden
weiter beschossen. Die offizielle Zahl der Toten stieg auf mindestens 320,
darunter nach UN-Angaben auch 57 Zivilisten. Mehr als 1400 Verletzte
werden in überfüllten Krankenhäusern und Arztpraxen behandelt.
Auch die Hamas feuerte weiter Dutzende Raketen auf israelisches Gebiet
ab. Ein Geschoss schlug in der südisraelischen Stadt Aschkelon ein und
tötete einen israelischen Araber. Es ist der zweite Israeli, der seit
Beginn der Luftoffensive bei einem palästinensischen Raketenangriff starb.
Im Westjordanland wurden zudem drei Israelis bei einer Messerattacke eines
Palästinensers verletzt.
Indiz für bevorstehende Bodenoffensive
Auf einer turbulenten Sondersitzung des Parlaments rechtfertigte
Verteidigungsminister Ehud Barak das Vorgehen. Er betonte, dass sich die
Luftangriffe nicht gegen das palästinensische Volk richteten. Der in Gaza
regierenden Hamas aber drohte er mit einer Ausweitung der Angriffe. Sie
solle gezwungen werden, ihre "feindlichen Aktionen" gegen die israelische
Zivilbevölkerung einzustellen. Arabische Knesset-Abgeordnete warfen der
Regierung angesichts der im Februar anstehenden Wahlen einen "Krieg zu
Wahlkampfzwecken" vor.
Das an den Gaza-Streifen grenzende Gebiet wurde zur Sperrzone erklärt.
Dies wurde als Indiz für eine bevorstehende Bodenoffensive gewertet.
Zugleich öffnete Israel aber einen Grenzübergang in den Gaza-Streifen, den
am Montag etwa 40Lastwagen mit Hilfsgütern passierten, wie ein
Militärsprecher erklärte. Ägypten erlaubte ebenfalls mehreren Lastwagen
mit Hilfsgütern die Einfahrt über den Grenzübergang Rafah.