junge welt - 09.07.2008
Israels Lobby ist aktiv
Im Gegensatz zu führenden US-Militärs und der Ölindustrie
drängen zionistische Gruppen in Washington und Brüssel auf einen Krieg gegen
Iran
Rainer Rupp
Es vergeht so gut wie kein Tag, an dem nicht ein Mitglied
der israelischen Regierung einen Krieg gegen Iran propagiert. Zugleich hat
Israel seine Helfer in den USA und in der Europäischen Union für die
Kriegspropaganda mobilisiert. Insbesondere in den Vereinigten Staaten ist der
politische Druck für einen Angriff gegen Teheran bereits sehr stark. Allerdings
kommt der nicht von einem breiten Spektrum der amerikanischen Eliten, sondern
fast ausschließlich von der kleinen, aber mächtigen zionistischen Lobby. Zu den
einflußreichsten Gruppen gehört das »American Israel Public Affairs Committee«
(Amerikanisch-israelischer Ausschuß für öffentliche Angelegenheiten – AIPAC).
Hinzu kommen die sogenannten Neokonservativen, die mit einer strikt
zionistischen Agenda nicht nur in der Administration von Präsident George W.
Bush Schlüsselpositionen besetzen. Im US-Kongreß ist die pro-israelische Lobby
auch bei den Demokraten stark vertreten. Zugleich wird die Iran-Kriegspropaganda
vom Gros der US-Medien unterstützt.
Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Auffassung ist es nicht die
US-Ölindustrie, die einen Krieg gegen Iran will. Dafür gibt es keinerlei
Hinweise, im Gegenteil: Die großen Konzerne sind vorrangig am kontinuierlichen
Zugang zum Öl und somit an Stabilität in der Golfregion interessiert und nicht
am Chaos. Auch gibt es keinerlei Hinweise, daß die US-Industrie darauf drängt,
mit militärischer Gewalt den iranischen Markt zu erobern. Und schon gar nicht
ist das US-Militär nach dem Desaster im Irak an einem weiteren, nur ungleich
größeren Fehlschag in Iran interessiert. Entsprechende Stellungnahmen der
Generalstabschef der US-Armee, der Kriegsmarine und der Marineinfanterie sind
eindeutig. Jüngste Äußerungen von US-Verteidigungsminister Robert Gates und vom
Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, General Michael Mullen, bezüglich Iran
grenzen an offene Rebellion gegen das Weiße Haus, wo Präsident George W. Bush
und sein Vize Dick Cheney noch vor ihrem Amtsende das »Iran-Problem zum Ende
bringen« wollen. Unterstützt wird das Duo nur von der zionistischen Lobby, die
Israels Dominanz im Nahen Osten mit allen Mitteln bewahren will, egal wie hoch
die politischen und ökonomischen Kosten für die USA dabei ausfallen.
Im Gegensatz zu dem wiederholt von Bush und Cheney öffentlich bekundeten
»Verständnis« für einen israelischen Angriff gegen Iran, in den anschließend
unausweichlich die USA verwickelt würden, haben sich Gates und Mullen scharf
gegen entsprechende Vorhaben ausgesprochen. Bei seinem Besuch in Tel Aviv im
Juni hatte Mullen die israelischen Militärs zwar gewarnt, sie hätten »kein
grünes Licht« für einen Angriff. Dennoch geht das mediale Trommelfeuer für einen
Angriff weiter, mit dem die angebliche Bedrohung durch iranische Nuklearwaffen
gestoppt werden soll. Tatsächlich bereiten die USA einen neuen Krieg massiv vor.
Im Magazin The New Yorker hat der international bekannte Enthüllungsjournalist
Seymour Hersh in der vergangenen Woche berichtet, daß die Führer beider Parteien
im US-Kongreß bereits voriges Jahr Präsident Bush 400 Millionen Dollar gewährt
haben, um einen Feldzug gegen Iran mit verdeckten Operationen und
Terroranschlägen im ganzen Land zu forcieren. Zudem hat auf AIPAC-Drängen das
Unterhaus des Kongresses eine Resolution vorgelegt, die eine militärische
Blockade der iranischen Häfen fordert, was im Fall einer Umsetzung einer
Kriegserklärung gleichkäme.
Auch in der EU wirbt die zionistische Lobby aggressiv für einen Krieg gegen
Iran. Der Europäische Jüdische Kongreß (EJC), ein Zusammenschluß zionistischer
Organisationen aus 38 Ländern, traf Ende Juni in Brüssel mit hohen Funktionären
der EU zusammen. Laut der Agentur European Jewish Press hat EJC-Präsident Moshe
Kantor dabei die Gelegenheit genutzt, gegen Teheran zu hetzen und für einen
Krieg zu werben. »Wenn Iran, der heute das Zentrum des weltweiten Terrorismus
darstellt, Atommacht wird, wird die Gefahr von Terrorangriffen ein friedliches
Leben in Europa undenkbar machen.« Eine Atommacht Iran werde den nuklearen
Wettlauf seiner Nachbarn anheizen und den Weltfrieden gefährden, behauptete
Kantor. Zugleich forderte der EJC-Chef schärfere Strafen gegen Antisemitismus,
wozu er auch Antizionismus zählt. Damit aber würde Kritik an zionistischer
Kriegstreiberei in der EU sanktioniert werden.