Parteitag der Grünen in Berlin
Abkehr von der "Gewaltfreiheit"
Abkehr von der "Gewaltfreiheit"
Die Delegierten beschlossen die Präambel des neuen Grundsatzprogramms, das die
22 Jahre alte Fassung aus dem Gründungsjahr der Partei ablöst. Darin
akzeptieren die Grünen, dass militärische Gewalt in der Politik nicht völlig
auszuschließen sei. Nach stundenlanger Debatte setzte sich die Parteiführung
damit mit ihrem Kurs zur Außen- und Sicherheitspolitik durch. Im Programm aus
dem Grünen-Gründungsjahr 1980 hatte die Partei noch "Gewaltfreiheit"
postuliert. "Gewalt darf Politik nicht ersetzen. Wir wissen aber auch, dass
sich die Anwendung rechtsstaatlich und völkerrechtlich legitimierter Gewalt
nicht immer ausschließen lässt", heißt es in der Präambel des neuen
Programms.
"Acht
Prozent plus x"
Grünen-Chef Fritz Kuhn hatte am Freitagabend seine Partei auf den Kampf um die
Fortsetzung der Ehe mit der SPD eingeschworen. "Wir setzen auf rot-grün.
Wenn wir die nicht bekommen, dann gehen wir in die Opposition", rief er zur
Eröffnung des Parteitages den rund 800 Delegierten in Berlin zu. "Ich will
eine Partei, die kämpft bis zum September." Trotz der mageren Umfragewerte
glaubt die Parteiführung an ein Ergebnis bei der Bundestagswahl von "acht
Prozent plus x". 1998 hatten die Grünen 6,7 Prozent erreicht.
Widerstand gegen Globalisierung
Überraschend angenommen wurde der Antrag einer Gruppe um den Altlinken
Hans-Christian Ströbele, der den Widerstand gegen eine die Welt in Arm und
Reich spaltende Globalisierung als "richtig und notwendig"
bezeichnete. Damit wurde der Entwurf der Parteiführung deutlich verschärft.