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15.12.2009 / Ausland / Seite 6
Geldsegen für SiedlerIsraelische Regierung belohnt illegalen Bau von Häusern in der WestbankKarin Leukefeld
Der wütende Protest israelischer Siedler der letzten Tage hat sich für
sie gelohnt. Rund 15000 hatten am vergangenen Donnerstag in Jerusalem
gegen das zehnmonatige »Baumoratorium« von Siedlungen protestiert und
landesweit weitere Aktionen angekündigt. Um die aufgebrachten Siedler
und ihre Organisationen zu beruhigen, hat die israelische Regierung
–gegen die Stimmen der fünf Minister der Arbeitspartei – am Wochenende
eine Reihe illegaler Siedlungen in der besetzten palästinensischen
Westbank auf die Liste der »Zonen nationaler Priorität« gesetzt, was
diesen Sonderrechte und finanzielle Vorteile verschafft. Die
Nachrichtenagentur AFP zitierte anonym einen Regierungsangestellten, der
die Zuwendungen auf 41 Millionen US-Dollar (28 Millionen Euro)
beziffert. Das Geld sei für »Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen,
Transport, Gesundheit und kulturelle Arbeit« gedacht, sagte
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Außerdem gibt es
Steuererleichterungen. Die größte Siedlerorganisation YESHA Council
begrüßte die Entscheidung. »Es ist ein Schritt in die richtige
Richtung«, sagte YESHA-Sprecher Yishai Hollender, »aber der Weg ist noch
lang«. Die in den 1970er Jahren gegründete Organisation rechtfertigt den
Siedlungsbau im besetzten Palästina mit dem »Recht der Juden auf
Rückkehr in ihre biblische Heimat«. Der israelische Finanzminister Yuval
Steinitz (Likud) rechtfertigte die Regierungsentscheidung als »Ausdruck
der Unterstützung für Siedlungen« während des Moratoriums. »Wir sagen
den Siedlern, daß wir ihre Schwierigkeiten verstehen und sie
unterstützen.«
Der Geldsegen wird über rund ein Drittel der illegalen Siedler in der Westbank ausgeschüttet. Profitieren werden vor allem rund 110000 Siedler, die in »Vorposten« und Containern außerhalb der großen Siedlungsblöcke wohnen. Dabei handelt es sich teilweise auch um »wilde« Siedlungen, deren radikale Einwohner gegen umliegende palästinensische Dörfer und deren Bewohner vorgehen. Auch die gewalttätigen Siedler von Kiryat Arba und Kedumim werden belohnt, die zuletzt offizielle Inspektoren, die das Siedlungsmoratorium überprüfen sollten, beleidigt und angegriffen hatten. Fast täglich kommt es zu Angriffen radikaler Siedler. Am Wochenende setzten sie in Ein Aboun (bei Nablus) zwei Traktoren und zwei Autos in Brand und beschädigten ein Haus. Andernorts kam es zu Steinwürfen auf palästinensische Autos und Personen, mindestens ein Haus wurde beschossen. In dem palästinensischen Dorf Yasouf bei Nablus wurde in der Nacht zum Freitag die örtliche Moschee aufgebrochen und in Brand gesetzt. Dabei verbrannten Teile der Bibliothek und Gebetsteppiche. Die Täter hinterließen beleidigende Graffitisprüche in hebräischer Sprache an den Wänden. Das israelische Baumoratorium sei »Betrug«, sagte derweil Saeb Erekat, palästinensischer Chefunterhändler. Für die israelische Regierung habe »nicht der Frieden Priorität, sondern die fortgesetzte Kolonialisierung besetzten palästinensischen Bodens«, kommentierte er die Entscheidung der israelischen Regierung. »In den nächsten zehn Monaten werden wir mehr Siedler und Siedlungen haben und mehr finanzielle Unterstützung für diese Siedlungen als in den letzten zehn Monaten. Das sollte der internationalen Gemeinschaft die Augen öffnen.« Der schwedische Außenminister Carl Bildt bezeichnete die Entscheidung der israelischen Regierung derweil als »sehr ernsten Schritt«. Man werde sich im Nahost-Quartett beraten und »ganz sicher unsere Meinung sagen«. |