Bericht nur "clevere Verzögerungstaktik"?
"Er (der Krieg) ist unvermeidlich", sagte Magnus Ranstorp von der
Universität St. Andrews in Schottland. Die Vorlage umfangreicher Unterlagen und
Beweise durch Irak sei eine clevere Verzögerungstaktik, "aber es werde
danach einen militärischen Konflikt geben".
USA dürfen Militärbasis in Katar für Angriff auf
Irak nutzen
Die USA dürfen nach einem Bericht des US-TV- Senders CNN im Fall einer Militäraktion
gegen den Irak die Luftwaffen-Basis El Udaid in Katar nutzen.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und die Regierung in Doha würden in Kürze
einen entsprechenden Vertrag unterzeichnen, meldete CNN und hob die strategische
Bedeutung des Stützpunkts für einen US-Angriff hervor. Die Basis hat die längste
Start-und Landebahn in der gesamten Golfregion.
Uno prüft Irak-Dossier
Der knapp 12.000 Seiten starke irakische Bericht wird gegenwärtig von Experten
der UN und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) analysiert. Ungekürzte
Kopien liegen zunächst nur den fünf ständigen Mitgliedern des
UN-Sicherheitsrates vor.
Geschätzte Kriegsdauer: Drei Monate
Die meisten Experten gehen davon aus, dass der Krieg im Januar oder Februar des
nächsten Jahres beginnen und zwischen zwei Wochen und drei Monaten dauern wird.
Danach würden die USA aber für längere Zeit Truppen in Irak lassen müssen.
Kurzzeitiger Ölpreisanstieg erwartet
In die Umfrage am 9. und 10. Dezember wurden Experten in Europa, den USA, im
Nahen Osten und in Asien einbezogen. Die meisten von ihnen rechnen nur mit
begrenzten Auswirkungen eines solchen Konflikts auf die Ölversorgung. "Wir
erwarten einen kurzen Ölpreis-Anstieg, der sich vergleichsweise schnell wieder
abbauen wird, und wir rechnen nicht mit einer größeren Unterbrechung des
Angebots", sagte Toby Dodge von der Universität Warwick, der einen Krieg für
sehr wahrscheinlich hält. Die USA hätten strategische Reserven und
Saudi-Arabien würde seine Förderung verstärken.
Experte: Bush scheint entschlossen
Die meisten Experten gehen davon aus, dass der irakische Rüstungsbericht das
Kriegsrisiko nicht verringert hat. Es werde schwer sein, einen Auslöser zu
finden, wenn Irak nicht überreagiere, sagte ein US-Experte, der nicht genannt
werden wollte. Die Bush-Regierung scheine aber entschlossen zu sein, und der
militärische Aufmarsch gehe rasch voran. "Das Szenario entspreche mehr
oder weniger dem Plan", sagte er.
Rüstungsinspektionen gehen weiter
Die Rüstungsinspektoren der Uno haben ihre Arbeit in Irak mit dem Besuch zweier
Anlagen im Großraum Bagdad fortgesetzt. Zu den Inspektionszielen gehörte ein
Chemiewerk 65 Kilometer südlich der Hauptstadt. Die Inspektoren der
Kontrollkommission für B- und C-Waffen und der Atomenergiebehörde haben seit
der Wiederaufnahme der Suche nach Massenvernichtungswaffen über zwei Dutzend
Anlagen besucht. Ihre Aufgabe ist es, den Wahrheitsgehalt des Berichts über frühere
und jetzige Rüstungsprogramme zu prüfen, den Irak am Wochenende vorgelegt
hatte.