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04.01.2010 / Titel / Seite 1
Dritte Front der NATOKnut Mellenthin
Die USA und Großbritannien verstärken ihre militärische Einmischung im
Jemen. Das Büro des britischen Premierministers Gordon Brown gab am
Sonntag bekannt, daß die beiden Staaten übereingekommen seien, eine
»Antiterroreinheit« der jemenitischen Sicherheitskräfte zu finanzieren.
Die gemeinsame Initiative sei das Ergebnis von Diskussionen, die schon
seit längerer Zeit zwischen London und Washington geführt werden, sagte
eine Sprecherin des Premiers. Brown und US-Präsident Barack Obama seien
außerdem der Ansicht, »daß eine größere Friedenstruppe in Somalia
erforderlich ist und werden dies im UN-Sicherheitsrat unterstützen«.
Am Sonntag schlossen die USA und Großbritannien ihre Botschaften im Jemen »vorerst«, wie es hieß. Washingtons Vertretung in der Hauptstadt Sanaa teilte auf ihrer Internetseite mit, »Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel«, wie der regionale Al-Qaida-Ableger genannt wird, habe mit Anschlägen gegen US-Einrichtungen im Jemen gedroht. Zur Sache hatten Vertreter der Administration in Washington schon vor mehreren Tagen mitgeteilt, daß die USA ihre militärische Unterstützung für das jemenitische Regime verstärken wollen und daß dazu auch die Ausbildung einheimischer Spezialeinheiten durch US-amerikanische Offiziere gehört. General David H. Petraeus, Chef des Kommandos Mitte der US-Streitkräfte, in dessen Zuständigkeit auch die Arabische Halbinsel fällt, gab am Freitag in Bagdad bekannt, die Militärhilfe der USA für Jemen habe sich im vergangenen Jahr auf 70 Millionen Dollar (knapp 50 Millionen Euro) belaufen und solle jetzt mehr als verdoppelt werden. Am Samstag traf Petraeus dann, so die amtliche jemenitische Nachrichtenagentur Saba, in Sanaa mit dem jemenitischen Präsidenten Ali Abdallah Saleh zusammen und sagte weitere Hilfe im »Antiterrorkampf« zu. Die britische Unterstützung für Jemen betrug nach Angaben des Außenministeriums in London bisher umgerechnet 23 Millionen Euro und soll im neuen Jahr auf 57 Millionen Euro erhöht werden. Schon am Freitag hatte Brown erklärt, daß er am 28. Januar in London eine internationale Konferenz organisieren will, auf der über eine gemeinsame westliche Strategie für die »Terrorbekämpfung« im Jemen beraten werden soll. Das Datum wurde bewußt so gelegt, daß es mit der schon länger geplanten Afghanistan-Konferenz zusammenfällt, die gleichfalls in der britischen Hauptstadt stattfinden wird. Dadurch wird die enge Verknüpfung der beiden Kriegseinsätze betont und maximale Aufmerksamkeit für den Schauplatz Jemen erreicht. Nach einigen Medienberichten soll dabei auch über die Lage in Somalia gesprochen werden. Die EU-Regierungen hatten sich schon im Juli 2009 grundsätzlich darauf verständigt, Frankreich bei der Ausbildung somalischer Bürgerkriegstruppen zu unterstützen. Das innenpolitisch isolierte, durch Korruption geprägte jemenitische Regime befindet sich seit Jahren in einem Mehrfrontenkrieg gegen die überwiegend schiitische Bevölkerung im Norden, gegen eine separatistische Bewegung im Süden, gegen mehrere traditionalistische Stämme und gegen eine bisher nicht sehr bedeutende Al-Qaida-Zelle. Deren Stärke gab der jemenitische Außenminister kürzlich, eher übertreibend, mit 300 Mann an. Selbst in westlichen Mainstream-Medien wie der Washington Post wird davor gewarnt, daß die zunehmende amerikanisch-britische Unterstützung für das Regime die Lage weiter komplizieren und die Oppositionskräfte stärken wird. |