Ein zweiter hochrangiger US-Militär hat der
regierungsoffiziellen Darstellung widersprochen, wonach Mohammed Atta,
der angebliche Chefterrorist des 11. September, den US-Sicherheitsbehörden
vor den Anschlägen nicht bekannt gewesen sei. Hauptmann Scott Phillpott
leitete die Antiterrortruppe Able Danger, die dem Kommando für
Spezialoperationen des Pentagon unterstand und 1999 mit dem Auftrag gegründet
worden war, weltweit Daten über Al Qaida zu sammeln. »Atta wurde von
Able Danger im Januar/Februar 2000 identifiziert«, sagte Phillpott am
Montag unter anderem gegenüber der New York Times. Damit unterstützte
er die Aussagen, die Oberst Anthony Shaffer, ein weiterer
Able-Danger-Angehöriger, bereits letzte Woche gemacht hatte (siehe auch
jW vom 19. August).
Die Erklärungen der beiden ehemaligen Able-Danger-Spezialisten
widersprechen der Version des 9/11-Untersuchungsberichtes des
US-Kongresses. Dort ist von Versäumnissen bei der rechtzeitigen
Identifikation der – angeblichen – späteren Selbstmordbomber nur in
zwei anderen Fällen die Rede, nämlich in Bezug auf Khalid Al Midhar
und Nawaf a-Hazmi.
Man könnte die Informationen von Phillpott und Shaffer als ein
weiteres Beispiel von »Pleiten, Pech und Pannen« sehen, also vom
Versagen der US-Sicherheitsdienste im Vorfeld des 11. September. Aber
andererseits war es zumindest in einigen Fällen nicht Unfähigkeit,
sondern Unwillen, was die rechtzeitige Weitergabe der Erkenntnisse von
Able Danger verhinderte. So wurde die Einheit, nachdem sie vorgesetzten
Militärstellen zu Jahresbeginn 2 000 über Atta berichtet hatte, von
der weiteren Observation abgezogen. Sein Vorgesetzter, ein
Zwei-Sterne-General, »bestand darauf«, so Shaffer, daß er sich nicht
weiter um Atta kümmerte. »Ich erhielt mehrfach die Anweisung (Atta zu
ignorieren), und es ging so weit, daß er mich daran erinnerte, er sei
ein General und ich nicht ... und ich könnte gefeuert werden.«
Die Spurenverwischung setzte sich fort: Aufgrund von Hinweisen
Shaffers forderte die 9/11-Kommission im Oktober 2003 die
Able-Danger-Unterlagen beim Pentagon an – doch in dem zur Verfügung
gestellten Material fehlt jeder Hinweis auf die Vorabkenntnisse über
Atta. Das bringt selbst Parteigänger von George W. Bush auf die Palme:
Shaffer und Phillpott wurden bei ihrem Schritt an die Öffentlichkeit
vom Republikaner Curt Weldon aus Pennsylvania unterstützt. Der ist
nicht nur Abgeordneter des Repräsentantenhauses, sondern auch
Vizevorsitzender von dessen Homeland Security Committee.
Unterdessen hat der US-amerikanische Journalist David Hopsicker einen
Zeugen gefunden, der den Vater von Mohammed Atta zwei Wochen vor dem 11.
September zu Besuch in Venice (Florida) gesehen haben will. Vater und
Sohn hätten seine Apotheke aufgesucht, und all das habe seine Überwacherungskamera
sorgfältig aufgezeichnet. Das Video habe er nach dem 11. September dem
FBI zur Verfügung gestellt – bei der Rückgabe seien 18 Stunden
Filmmaterial gelöscht gewesen.
Pikant: Vater Atta behauptete nach den Anschlägen, sein Sohn sei
unbeteiligt gewesen und würde noch leben. Die US-Behörden hätten ihn
leicht als Komplizen desavouieren können, wenn sie das Video aus der
Apotheke gezeigt hätten. Es muß einen anderen Grund geben, warum das
unterblieben ist.