Berliner Zeitung Politik
Freitag, 12. März 2004

"Deutsche üben auch Umgang mit Kernwaffen"

Friedensorganisation ruft zu Protest in Ramstein auf

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Herr Steffen, derzeit wird eher über Kernwaffen in Iran, Korea oder Libyen geredet. Warum wollen Sie mit der Aktion am 20. März in Ramstein den Fokus auf Deutschland richten?

Es geht uns nicht nur um Deutschland. Ramstein ist ein Atomwaffendepot der Amerikaner. Wir wollen auf die Vorreiterrolle der USA und ihrer Kernwaffenstrategie hinweisen.

Welche Gefahr geht von den Atomwaffen in Ramstein aus?

Selbst deren Lagerung und Transport bergen Risiken. Wichtiger ist aber die politisch-militärische Dimension. Die Amerikaner stellen Gelder für die Forschung und die Konstruktion neuer Atomwaffen bereit, die von den Militärs für taktische Zwecke genutzt werden sollen.

Welche Funktion erfüllen die hier gelagerten Waffen?

Deutsche Soldaten werden an Dummies dieser Waffen für den so genannten Verteidigungsfall trainiert. Das ist ein Verstoß gegen internationale Rüstungskontrollverträge. Wir fordern den Abzug dieser Kernwaffen aus Ramstein, das zum Hauptumschlagplatz für die US-Streitkräfte für Einsätze im Nahen Osten oder in Asien geworden ist.

Verfügt Deutschland auf diese Weise selbst über Kernwaffen?

Die Militärs schweigen dazu. Aber die Nato ist eine Atomwaffenmacht und Deutschland ist natürlich natürlich in die Nato-Strukturen eingebunden, wenn es zum Einsatz dieser Waffen kommen sollte.

Gibt es weitere Standorte?

Büchel in der Eifel. Insgesamt lagern in Deutschland 65 Kernsprengköpfe mit der Sprengkraft von 150 Hiroshima-Bomben.

Was erwarten sie von Rot-Grün?

Wir haben wiederholt die Regierung aufgefordert, im Gespräch mit den Amerikanern zu thematisieren, dass die Kernwaffen von deutschem Boden abgezogen werden. Zudem soll sie sich klarer zu den Einsatzplanungen für Atomwaffen äußern.

Wenn Sie nach sechs Jahren Rot-Grün noch keinen Erfolg hatten, scheint das aussichtslos zu sein.

Als Friedensbewegung ist unser Vertrauen in offizielle Politik sowieso beschränkt.Wir veranstalten diese Proteste gerade, um Druck auf Politik auszuüben und Öffentlichkeit zu schaffen, damit diese Problematik wieder ins Bewusstsein rückt.

Sind Sie enttäuscht von den Grünen?

Das könnte man sein, wenn man die Erwartung gehabt hätte, dass alles anders wird. Wenn man den realpolitischen Charakter der Koalition vorher erkannte, dann haben sich eher Befürchtungen bestätigt.

Das Gespräch führte Ingo Preißler.