"Deutsche üben auch Umgang mit Kernwaffen"
Friedensorganisation ruft zu Protest in Ramstein auf
Herr Steffen, derzeit wird eher über Kernwaffen in Iran, Korea
oder Libyen geredet. Warum wollen Sie mit der Aktion am 20. März
in Ramstein den Fokus auf Deutschland richten?
Es geht uns nicht nur um Deutschland. Ramstein ist ein
Atomwaffendepot der Amerikaner. Wir wollen auf die Vorreiterrolle
der USA und ihrer Kernwaffenstrategie hinweisen.
Welche Gefahr geht von den Atomwaffen in Ramstein aus?
Selbst deren Lagerung und Transport bergen Risiken. Wichtiger
ist aber die politisch-militärische Dimension. Die Amerikaner
stellen Gelder für die Forschung und die Konstruktion neuer
Atomwaffen bereit, die von den Militärs für taktische Zwecke
genutzt werden sollen.
Welche Funktion erfüllen die hier gelagerten Waffen?
Deutsche Soldaten werden an Dummies dieser Waffen für den so
genannten Verteidigungsfall trainiert. Das ist ein Verstoß gegen
internationale Rüstungskontrollverträge. Wir fordern den Abzug
dieser Kernwaffen aus Ramstein, das zum Hauptumschlagplatz für
die US-Streitkräfte für Einsätze im Nahen Osten oder in Asien
geworden ist.
Verfügt Deutschland auf diese Weise selbst über Kernwaffen?
Die Militärs schweigen dazu. Aber die Nato ist eine
Atomwaffenmacht und Deutschland ist natürlich natürlich in die
Nato-Strukturen eingebunden, wenn es zum Einsatz dieser Waffen
kommen sollte.
Gibt es weitere Standorte?
Büchel in der Eifel. Insgesamt lagern in Deutschland 65
Kernsprengköpfe mit der Sprengkraft von 150 Hiroshima-Bomben.
Was erwarten sie von Rot-Grün?
Wir haben wiederholt die Regierung aufgefordert, im Gespräch
mit den Amerikanern zu thematisieren, dass die Kernwaffen von
deutschem Boden abgezogen werden. Zudem soll sie sich klarer zu
den Einsatzplanungen für Atomwaffen äußern.
Wenn Sie nach sechs Jahren Rot-Grün noch keinen Erfolg hatten,
scheint das aussichtslos zu sein.
Als Friedensbewegung ist unser Vertrauen in offizielle Politik
sowieso beschränkt.Wir veranstalten diese Proteste gerade, um
Druck auf Politik auszuüben und Öffentlichkeit zu schaffen,
damit diese Problematik wieder ins Bewusstsein rückt.
Sind Sie enttäuscht von den Grünen?
Das könnte man sein, wenn man die Erwartung gehabt hätte,
dass alles anders wird. Wenn man den realpolitischen Charakter der
Koalition vorher erkannte, dann haben sich eher Befürchtungen
bestätigt.
Das Gespräch führte Ingo Preißler.