Rede von MdEP Tobias Pflüger beim Linken Aschermittwoch in Karlsruhe
06.02.2008, Walhalla Karlsruhe, Veranstalter: DIE LINKE, KV Karlsruhe
Liebe Freundinnen und Freunde, ich freue mich sehr, hier in Karlsruhe zu
sein und vor allem in einem vollen Saal zu sein, wo verschiedene Linke
zusammen gekommen sind, um dieser Politik, die wir in diesem Land erleben,
was entgegen zu setzen, das aber nicht nur ernst zu machen, sondern auch in
einem gemütlichen Rahmen und ich will schon mal den Organisatoren
gratulieren für den vollen Saal. Das ist schon mal ein erster Schritt, dass
DIE LINKE auch in Baden-Württemberg demnächst auch im Landtag ist. Ich
hoffe, dass das demnächst der Fall sein wird.
Beifall
Ich will mit einem Thema anfangen, das heute beschlossen wurde. Heute
nachmittag hat nämlich Herr Jung mitgeteilt, dass sich dieses Land an einer
so genannten Quick Reaction Force (QRF) beteiligen wird, mit 240 bis 250
Soldaten, und diese Quick Reaction Force ist eine Kampftruppe. Es ist die
nächste Salami. Ich habe am Anfang, begonnen wurde die Salami der
Auslandseinsätze abzuschneiden, nicht geglaubt, wie lang diese Salami ist.
Es ist das letzte Salami-Stückchen, das abgeschnitten wurde hin dazu, dass
dieses Land dauerhaft im Krieg ist. Ich will das mal sehr sehr deutlich
sagen, weil das sonst immer mit Orwellschen Begriffen umschrieben wird. Es
ist kein Friedenseinsatz, es ist auch kein "Frieden erzwingender Einsatz",
sondern dieses Land führt einen Angriffskrieg und die Bundeswehr ist an
diesem Angriffskrieg beteiligt und diejenigen, die diesen Krieg befehligen,
ist diese Bundesregierung und insofern ist das eine Kriegs-Bundesregierung,
um das mal sehr deutlich zu sagen, die hier diesen Beschluss in Bezug auf
Afghanistan gefasst hat. Konstantin Wecker hat auf seiner Homepage genau
diesen Sachverhalt beschrieben: Dieses Land ist im Krieg. Nur merkt man das
nicht so richtig auf der Straße. Aber irgendwie merkt man es dann doch. Ich
nenne das mal das Viereck der Globalisierung. Es werden immer mehr Soldaten
nach außen geschickt, es wird dieses Land immer mehr abgeschottet, vor allem
gegenüber Flüchtlingen und Migranten, es findet Repression im Inneren statt
und es findet Sozialabbau statt. Das sind praktisch vier Bereiche, die sich
gegenseitig bedingen. Ich habe das früher mal als Viereck der Globalisierung
bezeichnet. Ich muss mich korrigieren, ich würde heute sagen, Viereck des
Kapitalismus ist besser.
Beifall
Weil das Ganze nämlich eine Systemlogik hat. Karin (Binder) hat das schon
angesprochen, dass nämlich nach außen dieses Land immer aggressiver auftritt
und nach innen Repression gegen diejenigen durchführt, die sich dagegen
wehren. Und interessant für mich ist, was dann mit der Bundeswehr passiert.
Wir hatten ja früher die schöne Formel: Lasst die Bundeswehr zuhause!
Inzwischen stößt mir diese Formel etwas bitter auf, nachdem was wir im
Zusammenhang mit Heiligendamm erlebt haben, dass nämlich die Bundeswehr im
Inneren eingesetzt wird. Offiziell im Zusammenhang mit Heiligendamm hieß es
noch unbewaffnet. Sie haben bei diesen Fennek-Panzern, die da auf den
Brücken standen, tatsächlich die ganzen Waffen weg gemacht, aber es gibt
jetzt einen geplanten Bundeswehreinsatz im Inneren, der mit Waffen
stattfindet und zwar ist das in einem bayrischen Hotel, nämlich jetzt
während der Münchner so genannten Sicherheitskonferenz werden 420
Bundeswehrsoldaten zur Bewachung dieses Hotels eingesetzt. Nicht etwa
Polizei, sondern Bundeswehrsoldaten und das ist nichts anderes als ein
bewaffneter Bundeswehreinsatz im Inneren und um es auch sehr deutlich zu
sagen, das ist nichts anderes als ein organisierter Verfassungsbruch.
Beifall
Weil die Verfassung nämlich ganz klar sagt: "Der Bund stellt Streitkräfte
zur Verteidigung auf". "Außer zur Verteidigung dürfen diese Streitkräfte nur
eingesetzt werden, sofern es dieses Grundgesetz ausdrücklich zulässt". Da
wundern sich immer die Bundeswehrler, wenn ich auf einem Podium sitze, dass
ich diesen Artikel auswendig kann. Aber das heißt doch nicht, dass die
Bundeswehr im Inneren eingesetzt wird. Und deshalb muss die Forderung ganz
klar sein, wie jetzt in Bezug auf die Sicherheitskonferenz und den
Bundeswehreinsatz im Inneren dort, dass die Bundeswehr dort keinen Einsatz
im Inneren macht, und dass im Übrigen diese Sicherheitskonferenz überhaupt
nicht stattfindet, weil es nichts anderes ist als eine Kriegskonferenz.
Beifall
Der Herr Teltschik bekommt 850.000 Euro im Jahr dafür, dass er privat dieses
Treffen organisiert, und dass er nach Gutsherrenart entscheidet, wer
eingeladen wird und wer nicht. Und er hat wieder mal entschieden, dass die
Linke nicht rein darf. Weder die Bundestagsabgeordneten noch ich als
zuständiger Europaabgeordneter dürfen rein. Er entscheidet das ganz alleine,
mit wem er quasi diese Debatten führen will und mit wem nicht. Und Herr
Teltschik hat sein Demokratieverständnis beim letzten Mal sehr schön auf den
Punkt gebracht. Ich will das mal zitieren: Er sagte damals in Bezug auf die
Demonstrationen: "Es ist die Tragik jeder Demokratie, dass bei uns jeder
seine Meinung öffentlich sagen darf. In einer Diktatur würde so etwas nicht
passieren." Analytisch hat der Mann ja Recht. Nur, wir leben hier, ich
glaube zumindest noch, in einer formalen Demokratie. Deshalb ist es jetzt
so, dass die Demonstrationen am Wochenende in München weiter stattfinden
werden, dass aber einer geht, nämlich Herr Teltschik. Und ich habe das in
einer Pressekonferenz in München auf den Punkt gebracht, indem ich gesagt
habe, dass wir als Widerstand bleiben, Herr Teltschik muss gehen. Und er
muss gehen, weil er ein Antidemokrat ist und weil er ein Militarist ist und
weil er regelmäßig eine Kriegskonferenz durchführt und deshalb muss er gehen
und das ist gut so.
Beifall
Wenn er so eine Konferenz macht, muss er ja vorher in die Medien kommen,
also hat sich der liebe Mann überlegt, wie er das am Besten macht. Es gibt
ja gerade diesen schönen Brief von US-Verteidigungsminister Gates, dem
Nachfolger von Rumsfeld, der an Jung geschrieben hat, dass die Bundeswehr
auch im Süden von Afghanistan eingesetzt werden soll. Inzwischen hat die FAZ
geschrieben, dass weder Herr Bush noch Frau Rice darüber informiert waren.
Jetzt wissen wir alle, wenn irgendwo stehen würde, Herr Bush ist darüber
nicht informiert, würden wir uns nicht besonders darüber wundern, aber dass
Condoleeza Rice darüber nicht informiert gewesen sei, ist dann durchaus
interessant. Und die FAZ spekuliert, dass das ganz bewusst lanciert wurde
von der US-amerikanischen Botschafterin bei der NATO in Brüssel, um so ein
bisschen Pfeffer in die Debatte zu bringen und jetzt kann sich Herr Jung
dadurch profilieren, dass er sagt: Das machen wir nicht mit. Einen
Kriegseinsatz im Süden machen wir nicht mit. Wir machen nur einen
Kriegseinsatz im Norden. Wir sind ganz konsequent als Deutsche. Wir schicken
keinen Soldaten in den Süden, nur 40, die da regelmäßig aushelfen, was man
regelmäßig lesen kann in den Berichten des Verteidigungsausschusses, die die
Abgeordneten bekommen. Aber nein, wir sind ganz konsequent, wir machen nicht
mit bei diesem Krieg. Meine These ist, dass das wieder der nächste Schritt
ist, und wir werden noch zu dem Punkt kommen, wo auch Bundeswehrsoldaten im
Süden im Kampfeinsatz sein werden und deshalb ist es so dringend notwendig,
dass die Friedensbewegung und dass DIE LINKE im Parlament das gefordert hat,
was das Gebot der Stunde ist: Ein Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan!
Beifall
Ein ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr - Helmut Willmann - hat sich
beschwert, dass die Debatte über Sicherheitspolitik in Deutschland nicht so
gut laufen würde. Und er hat mitgeteilt, Zitat: "Man hat die
Auslandseinsätze der Bundeswehr - vor allem in Afghanistan - bisher
verharmlosend dargestellt." Analytisch hat der Mann Recht. Die
Bundesregierung hat so getan, als ob der ISAF-Einsatz ein Friedenseinsatz
wäre. Die Linksfraktion und dort insbesondere Oskar Lafontaine, haben in der
Debatte kurz vor den Landtagswahlen dem noch mal ganz klar entgegen gesetzt:
Nein, es geht um einen Kriegseinsatz. Und was wir glaube ich sehr deutlich
machen müssen als Antikriegs- und Friedensbewegung: Diesen orwellschen
Sprachgebrauch, diese Verfälschung machen wir nicht mit, sondern Krieg ist
Krieg und Krieg lehnen wir ab.
Beifall.
Wenn ich schon mal bei den Generälen bin: Es gibt noch so einen bestimmten
General, Arno Neuber und ich mögen ihn besonders gern, weil man ihn ständig
zitieren kann, der heißt Klaus Naumann, ehemaliger Vorsitzender des
Nato-Militärausschusses, und auch ehemaliger Generalinspekteur der
Bundeswehr. Der hat jetzt empfohlen, dass die Deutschen jetzt auch im Süden
von Afghanistan eingesetzt werden müssen und zwar mit einer spannenden
Begründung, weil sonst wäre nämlich der Einfluss Deutschlands und die
Interessendurchsetzung Deutschlands nicht mehr so möglich wie bisher. Das
scheint mir eine ehrlichere Begründung zu sein als das, was sonst kommt.
Und Herr Naumann hat mit anderen zusammen, jetzt ganz frisch, für die NATO
eine Studie erstellt. Und diese Studie geht darum, wie die NATO in Zukunft
agieren will. In dieser Studie ist zum Beispiel die Rede davon, was man denn
mit den Atomwaffen machen will. Ich will mal aus dieser Studie zitieren. Die
schlagen also ein Konzept vor, das in verschiedenen Bereichen wirken soll,
und dann heißt es: "Ein derartiges Konzept der interaktiven Eskalation setzt
Dominanz bei der Eskalation voraus, den Einsatz des gesamten Spektrums von
Zuckerbrot und Peitsche, aller weichen und harten Machtinstrumente, vom
diplomatischen Protest bis zu Atomwaffen." Was hier in dieser Studie
formuliert wird, ist, dass die NATO bereit ist, einen Ersteinsatz von
Atomwaffen durchzuführen, nicht nur zu planen. Ich persönlich halte das für
einen Wahnsinns-Skandal, den wir sehr viel deutlicher noch kritisieren
müssen, als das bisher der Fall war.
Beifall
Jetzt sitze ich da in diesem wunderschönen Europäischen Parlament und jetzt
hat sich ein EU-Verantwortlicher zu dieser Studie geäußert, nämlich Robert
Cooper. Er ist Mitarbeiter von Javier Solana, dem Hohen Beauftragten für
Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union. Und der wird in der
britischen Zeitung Guardian wie folgt zitiert: "Es könnte sein, dass wir als
Erste Atomwaffen einsetzen. Ich würde mich allerdings hüten, das laut zu
sagen." Jetzt habe ich Herrn Solana und die derzeitige slowenische
Ratspräsidentschaft sowohl im Unterausschuss Sicherheit und Verteidigung als
auch im Auswärtigen Ausschuss, und Herr Solana in der Plenardebatte gefragt,
was denn ihre Position zu dieser Äußerung von Herrn Cooper, immerhin enger
Mitarbeiter und Redenschreiber von Javier Solana denn ist. Und dann ist
passiert, was mir im Europäischen Parlament häufig passiert. Ich habe eine
Frage gestellt, alle haben interessiert geguckt, und ich habe keine Antwort
bekommen. Einfach keine Antwort. Und der slowenische Außenminister hat dann
den schönen Satz gesagt: Ja, diese Äußerungen habe ich nicht mitbekommen,
aber wir sind ja eh nicht zuständig für diesen Bereich. Das Europäische
Parlament ist nicht zuständig für die Außen- und Sicherheitspolitik der
Europäischen Union. So viel zur parlamentarischen Kontrolle in diesem
Bereich. Das heißt, man kann feststellen, dass diejenigen, die dann die
Entscheidungen treffen, von sich aus entscheiden: Wir sagen nichts dazu. Ich
habe dann in einer Presseerklärung gesagt, wer dazu nichts sagt, sagt ja
dazu, und billigt diese Äußerung, und genau das ist der Skandal und das
heißt, dass auch EU-Verantwortliche einen Einsatz von Atomwaffen billigen
und das hat natürlich mit einem Konflikt zu tun, der im Moment gerade auf
der Tagesordnung ist, nämlich die Auseinandersetzung mit dem Iran.
Das haben wahrscheinlich einige mitbekommen, ich war gerade im Iran, mit
einer offiziellen Delegation des Europäischen Parlamentes, und habe da eine
sehr interessante Erfahrung gemacht, nämlich dass es eine sehr sehr
lebendige Zivilgesellschaft gibt, eine ganze Reihe von Oppositionsgruppen,
ich persönlich habe mich lange zusammen gesetzt mit linken Gewerkschaftern,
Busfahrergewerkschafter, die einen Streik durchgeführt haben, weil im
Übrigen diese Busunternehmen privatisiert werden sollen, irgendwoher kennen
wir das, und drei von den führenden Gewerkschaftern sitzen im Gefängnis.
Dann haben wir uns mit einer Reihe weiterer Leute getroffen und wir haben
uns auch mit den Regierungsvertretern getroffen, und interessant war, dass
sowohl UN-Organisationen als auch Oppositionelle gesagt haben, das, was die
Europäische Union jetzt gerade macht, nämlich gemeinsam mit den USA die
Sanktionen zu verschärfen, ist für sie das Schlimmste, was passieren kann.
Es ist kontraproduktiv, weil nämlich ihr Kampf für Demokratie völlig kaputt
gemacht wird, und gestärkt werden diejenigen, die angeblich bekämpft werden
sollen. Und da sind wir als besuchende Delegation zu dem Schluss gekommen,
uns gegen diese Sanktionen zu wenden und sind empfangen worden von der
portugiesischen Ratspräsidentschaft, nachdem die US-Geheimdienste gerade
einen Bericht vorgelegt haben, in dem drin steht, dass der Iran zumindest
seit 2003 nicht mehr an einem Atomwaffenprogramm arbeitet, behauptet wird
gleichzeitig, dass er bis dahin daran gearbeitet habe. Nach diesem Bericht
sagt dann die portugiesische Ratspräsidentschaft, und jetzt müssen wir die
Sanktionen erhöhen. Und dann auf meine Frage: Erklären Sie mir, warum jetzt
und warum überhaupt, sagten die, das haben wir jetzt beschlossen. Wir haben
dann bei dem gesamten Besuch festgestellt: Die jeweiligen Botschafter vor
Ort sind sehr viel kritischer gegenüber diesen Sanktionen, weil sie nämlich
wissen, wie sie wirken, aber haben die Weisung von ihren Regierungen zu
Hause, nein, da muss weiter verschärft werden. Und das ist für mich ein
typischer Fall gewesen, wo Regierungen der EU was weiter eskalieren und es
eine reale Kriegsgefahr gibt, wenn ich mir diese Äußerungen von Herrn Cooper
anschaue und diese Studie der NATO, dann ist das was, was man nicht einfach
wegwischen kann, sondern da gibt es eine reale Kriegsgefahr, und unsere
Rolle sollte dabei sein, dass wir das erstens öffentlich machen und zweitens
ganz klar sagen, jegliche Eskalation gegenüber dem Iran, das heißt zum
Beispiel weitere Sanktionen, und jegliche Kriegstrommelei wie zum Beispiel
vom französischen Präsidenten oder Außenminister oder dem US-Präsidenten,
muss ganz klar zurück gewiesen werden. Es darf keinen Krieg und keine
Kriegsdrohung gegen den Iran geben.
Beifall
Jetzt ist derzeit dann doch eine Debatte am Laufen, wo es unterschiedliche
Positionen gibt zu diesem Afghanistan-Einsatz. Jetzt hat der
NATO-Generalsekretär etwas gesagt, was meine Erfahrung eigentlich regelmäßig
ist, wenn ich mit irgendwelchen NATO-Fuzzis zu tun habe. Der sagte, lassen
Sie uns diese Diskussion bitte hinter verschlossenen Türen führen. Da kommt
wieder das Demokratieverständnis raus, das Herr Teltschik hat. Die wollen
uns nämlich nicht mitdiskutieren lassen. Die wollen uns als Friedens- und
Antikriegsbewegung nicht wissen lassen, was sie planen. Und deshalb ist es
notwendig, dass wir aus den Parlamenten raustragen, was sie planen, und dass
wir öffentlich machen, was tatsächlich da an brutaler Politik vorbereitet
wird.
Beifall
Ich habe vorher von diesem Viereck der Globalisierung oder des Kapitalismus
gesprochen, und will jetzt zu dem zweiten Punkt kommen, den ich für relativ
zentral halte. Wir haben ja in Hessen ein sehr interessantes
Landtagswahlergebnis gehabt. Außer dem sehr erfreulichen Ergebnis der LINKEN
ist meiner Ansicht nach was noch Erfreulicheres passiert, dass nämlich ein
Rassist mit rassistischen Parolen keine Wahl gewinnen konnte. Und das ist
für mich der eigentliche große Erfolg.
Viel Beifall
Dass jemand wie Roland Koch, der einfach nichts anderes ist als ein Rassist,
tatsächlich mit diesen Wahlen eins auf die Schnauze bekommen hat und
tatsächlich enorm Stimmen verloren hat. Das hat mir, und das muss ich so
sagen, wieder ein bisschen Hoffnung in dieses Land gegeben, dass diese
Menschen hier nicht alles mit sich machen lassen, und dass jemand wie Roland
Koch, dieser Hetzer, nichts anderes ist er, tatsächlich auch zurückgewiesen
wurde, und ich bin sehr sehr froh, dass das so passiert ist. Jetzt bin ich
am Wochenende drei Tage in Kärnten gewesen und habe festgestellt, was Herr
Koch verursacht hat. Er hat nämlich einen relativ namhaften Nachahmer
gefunden. Ihr kennt ihn alle, Jörg Haider. Der ist wirklich Nachahmer von
Roland Koch, der hat nämlich wortwörtlich die gleichen Formulierungen
gebracht "Gegen gewalttätige ausländische Jugendliche muss strenger
vorgegangen werden". Und zwar hat er folgendes gemacht: Da gab es eine
Schlägerei in Villach in Kärnten an Silvester, und irgendjemand hat
behauptet, da wären einige tschetschenische Flüchtlinge beteiligt gewesen.
Und was hat Herr Haider gemacht? Der hat Familien von tschetschenischen
Flüchtlingen, die angeblich daran beteiligt waren, abgeschoben und zwar ins
Nachbarland. Und später stellte sich dann heraus, dass die unschuldig waren,
dass die damit überhaupt nichts zu tun hatten, und Haider hat dann den
schönen Satz geprägt: Das ist mir doch egal, irgendjemand musste doch
abgeschoben werden. Das ist nichts anderes als staatlich organisierter
Rassismus und ganz brutal werden Leute zu Sündenböcken gestempelt, weil man
sie einfach immer zu Sündenböcken stempelt und das ist die gleiche Denkart
wie Roland Koch drauf hat und ich will das mal sehr deutlich sagen, das ist
für mich nichts anderes als Regierungs-Rassismus und diesem
Regierungsrassismus kann man nur ganz klar antirassistische Arbeit von unten
entgegen setzen.
Beifall
Liebe Freundinnen und Freunde, mein letzter Punkt. Wenn wir uns dieses
Viereck der Globalisierung oder des Kapitalismus anschauen, dann sehen wir,
dass immer mehr gegen Menschen vorgegangen wird, die sich wehren, zum
Beispiel im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel werden immer mehr Demonstrationen
verboten. Zusammen mit Ulla Jelpke klage ich gegen eines dieser Verbote.
Wahrscheinlich werden wir Recht bekommen. 2002 sind die Proteste gegen die
Sicherheitskonferenz verboten worden in München, viele Jahre später ist
dieses Verbot als nicht rechtens erklärt worden. Inzwischen finden
Demonstrationen in diesem Land häufig so statt, dass rechts und links eine
Riesenbegleitung von Robocops stattfindet, die im Grunde genommen das
Demonstrationsrecht grundlegend aushöhlen. Und für mich gehört zu einer
Demokratie, dass die uns endlich frei demonstrieren lassen, das heißt zum
Beispiel jetzt am Wochenende wünsche ich mir, dass die gesamte Polizei, die
dort ist, ein freies Wochenende bekommt, nach Hause gehen kann, und wir in
Ruhe demonstrieren können.
Beifall
Es hat aber Methode, weil man bestimmte Positionen nicht will. Man will,
dass bestimmte Positionen nicht artikuliert werden, deshalb ist es so, dass
die Übergriffe gemacht werden, und ich habe das gesehen, in Heiligendamm
sind wir am Anfang für verrückt erklärt worden, als ich gesagt habe, ich
glaube, das waren Provokateure. Inzwischen wissen wir, dass dort
Provokateure dabei waren, und es ist bewusste Methodik dieses Staates, um
linke Positionen zu diskreditieren, dass man bei solchen Demonstrationen es
dazu bringt, dass es Auseinandersetzungen gibt. Und deshalb bedarf es großer
Disziplin auf unserer Seite, dass wir nicht in diese Gewaltfalle reinlaufen
und es bedarf, dass wir uns nicht einschüchtern lassen. Zum Beispiel ist
derzeit die Demonstrationsroute in München am Wochenende verboten. Ich habe
von den Münchnern gelernt, die nehmen das ganz cool. Dann ist es halt im
Moment verboten. Wir werden da schon von da nach da kommen, mach dir da
keine Sorgen. Ich glaube, dass ist ein relativ gutes Vorgehen dazu, aber was
man gleichzeitig politisch sehr klar sagen muss, ist, was hier passiert ist
eine Aushöhlung des Demonstrationsrechts.
Es wird regelmäßig denjenigen vorgeworfen, die sich gegen diese ganzen
Auswüchse wehren, dass sie gegen die Verfassung seien. Diejenigen, die die
Verfassung wirklich aushöhlen in diesem Land, heißen Franz-Josef Jung,
Wolfgang Schäuble. Das sind Verfassungsbrecher, das sind diejenigen, die
ganz offen das Grundgesetz brechen und die ganz offen aus dieser Republik
eine andere Republik machen.
Beifall.
Das sind nämlich diejenigen, die quasi Systemveränderungen betreiben. Und
dem können wir nur entgegen setzen, das wir in einer sehr disziplinierten,
sehr kompetenten Opposition sagen, das nehmen wir nicht hin, und wehren uns
gegen diese vier Bereiche, die ich vorher genannt habe. Wir wehren uns
dagegen, dass immer mehr Soldaten ins Ausland geschickt werden, wir wehren
uns gegen die Repressionen, die immer mehr Menschen im Land erleiden müssen,
und wir sind solidarisch mit denjenigen, die mit Verfahren überzogen werden,
und wir auf der Seite der Flüchtlinge und Migranten, wenn sie aus diesem
Land abgeschoben werden oder wenn ein staatlicher Rassismus braune Soße über
sie ergießt.
Beifall
Und liebe Freundinnen und Freunde, wir sind selbstverständlich auch
diejenigen, die sich gegen diesen Sozialabbau wenden, weil das ist nämlich
ihr Mittel, dieser Sozialabbau, damit wir uns nicht wehren. Das ist ihr
Mittel, damit wir mit uns selbst beschäftigt sind und nicht dazu kommen,
diese ganzen Missstände konkret zu thematisieren und deshalb ist dieser
Kampf gegen diesen Sozialabbau ganz ganz wichtig und ein ganz wesentlicher
Teil von diesen vier Punkten, die ich genannt habe. Vielen Dank.
Viel Beifall